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  • IN NUR DREI STUNDEN VON BASEL NACH ISTANBUL

    Eine Reise in eine Stadt, wo Europa auf Asien trifft und Einflüsse aus beiden Welten auf faszinierende Weise miteinander kombiniert werden. Ein Erfahrungsbericht. Entspannt fliegen in der Business Class der Turkish Airlines. Von Astrid Steinbrecher-Raitmayr Seit meiner ersten Reise in den 1980er Jahren bin ich verliebt. In Istanbul, die weltweit einzige Stadt, die auf zwei Kontinenten liegt. Hier trifft Europa Asien, hier werden Einflüsse aus beiden Welten auf faszinierende Weise miteinander kombiniert. Die Hin- und Rückreise erfolgt in der Business Class von Turkish Airlines – besser geht´s nicht. Um einen allerersten Eindruck von Istanbul zu bekommen, reicht – mit einem erfahrenen Guide – oft schon ein Wochenende. Von Basel aus erreicht man die Millionenmetropole in etwa drei Flugstunden. Fliegt man in der mehrfach ausgezeichneten Business Class der Turkish Airlines, beginnt der Urlaub durch einen exzellenten Service bereits beim Check-in. Weiter geht es mit einem hervorragenden Bordservice. Zudem machen Business Class Flüge auch den Zutritt zur Business Class Lounge in Istanbul möglich. Allein diese Lounge ist einen Besuch wert und es empfiehlt sich, sich auch dafür etwas länger Zeit zu nehmen. Mein ganz persönlicher Lieblingsbereich in der Lounge ist der Tea-Room. Dort lässt es sich wunderbar relaxen und geniessen. Durch das riesige Angebot an Shops im IGA Istanbul Airport, einem der grössten Flughäfen der Welt, schlendere ich auch immer wieder gerne herum, denn es gibt fast jedes Mal etwas Neues zu entdecken. Das Handgepäck ist währenddessen sicher in einem der Schliessfächer der Lounge verstaut. Zwei Besucherinnen flanieren in der Millionenmetropole Turkish Airlines Lounge Business am Flughafen Istanbul Sightseeing in Europa und Asien Mit einer Breite von bis zu 3,2 km und einer Länge von 32 km teilt die berühmte Meerenge zwischen Marmarameer und Schwarzem Meer die Stadt in die beiden Kontinente Europa und Asien. Das Stadtgebiet befindet sich auf beiden Seiten. In den Basaren, Einkaufsstrassen, Teehäusern und Restaurants Istanbuls pulsiert das Leben von Früh bis Spät. Die Altstadt wird gekrönt von der Silhouette zahlreicher sehenswerter Bauwerke. In Istanbul treffen die architektonischen Zeugnisse zweier grosser Kulturen aufeinander, die des Byzantinischen und des Osmanischen Reiches. Wer heute über den Sultan-Ahmed-Platz flaniert, kann in der parkähnlichen Anlage noch die Überreste der historischen Pferderennbahn, das antike Hippodrom Konstantins, erkennen. Es wird angenommen, dass es eine Länge von 450 m und eine Breite von 130 m hatte und Platz für 100.000 Zuschauer bot. Heute zählt es mit dem ägyptischen Obelisk von Theodos, der Schlangensäule und der Konstantinsäule zum UNESCO Weltkulturerbe. Jahrtausende alte Geschichte Von dort gelangt man zu den bedeutendsten Sakralbauten: Die Hagia Sophia, einst grösste Kirche der Christenheit, war über Jahrhunderte die grösste Kathedrale der Welt. Ihre massive Silhouette überragt seit fast 1500 Jahren Istanbul. Im sechsten Jahrhundert wurde sie als Kirche gebaut und 1453 zur Moschee umgewandelt. Wegen ihrer schwebenden Kuppel galt sie in der Spätantike und im Mittelalter als achtes Weltwunder. Die Sultan-Ahmed-Moschee, das Meisterwerk osmanischer Baukunst, beeindruckt durch seine harmonischen Proportionen, seiner Hauptkuppel, sechs Minarette und acht Nebenkuppeln. In den unteren Ebenen und an jedem Pier ist sie mit mehr als 20.000 handgefertigten Keramikfliesen aus Iznik, dem alten Nicäa, ausgekleidet. Die oberen Ebenen sind von blauer Farbe dominiert. Aus diesem Grund wird sie auch Blaue Moschee genannt. Sie gilt als die letzte grosse Moschee der klassischen Bauweise. Die Hagia Sophia auf dem Sultan-Ahmed-Platz Der Topkapı Palast war für lange Zeit der Wohn- und Regierungssitz der Sultane wie auch das Verwaltungszentrum des Osmanischen Reichs. Im Gülhane Park noch innerhalb der Palastmauern liegt das Archäologische Museum, welches 1991 den Museumspreis des Europarates erhalten hat. Seine Sammlungen umfassen rund 15.000 archäologische Stücke aus Mesopotamien, aus der assyrischen, sumerischen, akkadischen, babylonischen und ägyptischen Antike, dem prä- und früh-griechischen Anatolien, sowie der vor-islamischen und islamischen arabischen Kultur. Blick ins Innere der Hagia Sophia Orient und Okzident Die Galatabrücke führt über das Goldene Horn und verbindet Kulturen. Sie ist ein Ort an dem sich Orient und Okzident begegnen. Jeder, der nach Istanbul kommt, lässt sich hier gerne fotografieren. Auf zwei Etagen findet man hier alles was mit Fisch zu tun hat. Schon frühmorgens trifft man auf der Brücke zahlreiche Angler, rund um sie stehen Kübel mit Ködern, Bleien, Blinkern & Co. Verspeist man auf der unteren Etage seinen Fisch in einem der vielen Restaurants, kann es durchaus passieren, dass ein Fisch vorbeischwebt, welchen ein Angler gerade an Land zieht. Ein Spaziergang durch das Viertel Galata im Stadtteil Beyoglu führt zum 67 m hohen Galataturm, einem Relikt der genuesischen Kolonie in Istanbul. Ursprünglich um 527 unter dem byzantinischen Kaiser Justinian I. als Teil der Verteidigungsanlage errichtet, zählt er zu den ältesten Türmen der Welt und ist ein Wahrzeichen Istanbuls. Von hier aus geniessen Besucher einen der spektakulärsten Ausblicke auf die Stadt. Die Ausstellungen besichtigt man am besten auf dem Weg von oben nach unten. Einer der Höhepunkte ist der Simulationsflug von Hezarfen Ahmet Celebi, der 1638 vom Galataturm über den Bosporus auf die asiatische Seite der Stadt geflogen sein soll. Der Galataturm liegt in Galata, einem Viertel des Istanbuler Stadtteils Beyoğlu. Einkaufsmeilen Tausende Händler bieten in Istanbul ihre Waren an, in der Installateurgasse, in der Goldgasse, in der Lampengasse. Am berühmten Grossen Bazar befinden sich auf einer Fläche von 45.000 Quadratmetern 4.400 Shops und 180 Strassen und Gassen, die zwischen 15. und 19. Jahrhundert immer wieder ausgebaut wurden. Er ist wohl die grösste Shoppingmall der Welt. Kein Wunder, dass er jährlich über eine halbe Million Besucher anlockt. Jeder Bereich ist auf ein bestimmtes Gewerbe oder Handwerk spezialisiert. Daher trägt auch jede der 60 überdachten Handelsstrassen den Namen eines bestimmten Gewerbes. Feilschen ist hier üblich, zögern Sie also nicht, einen anderen Preis als den angebotenen vorzuschlagen. Dasselbe gilt für den Ägyptischen (Gewürz-) Bazar, der Name deshalb, weil er mit Steuereinnahmen aus Kairo erbaut wurde. Der Gewürzbazar bedarf keiner Erklärung, denn hat man nur einen Blick ins Innere geworfen, ist klar, dass hier eine höchst verführerische Aufmachung aus exotischen Gewürzen, Teesorten und orientalischem Naschwerk (Turkish Delight) feilgeboten wird. In der Lampengasse erlebt man e in ganzes Feuerwerk an Eindrücken. Istanbul modern Am Zusammenfluss von Goldenem Horn und Bosporus am europäischen Ufer von Istanbul liegt Galataport im angesagten Hafenviertel Karaköy mit seinen traditionellen Bäckereien, hippen Cafés und familiengeführten Geschäften. Das Grossprojekt inklusive Einkaufsparadies, einem Hotel und einem Museum für moderne Kunst sowie dem Prunkstück, dem neuen Kreuzfahrthafen, hat eine Fläche von 400.000 m2, was in etwa der Grösse von 53 Fussballfeldern entspricht. Pro Jahr soll Galataport 1,5 Millionen Kreuzfahrtpassagiere und 25 Millionen Besucher begrüssen. Ziel ist, Galataport zu einem Kreuzfahrthafen von Weltrang und zu einem der führenden Kreuzfahrtziele zu machen. Bevor ich wieder die Heimreise antreten muss, besichtige ich noch die Theodosius-Zisterne (Şerefiye Sarnıcı ). Hier handelt es sich um eine gedeckte Zisterne im Stadtteil Binbirdirek. Nach einer achtjährigen Renovierungszeit wurde sie der Öffentlichkeit wieder zugängig gemacht. Das Bauwerk wird für Konzerte genutzt und mit einer Lichtinstallation ausgeleuchtet. Sehr zu empfehlen! Flüge: https://www.turkishairlines.com/de-int/ - Business-Class mit Turkish Airlines https://www.igairport.aero/en - Flughafen Istanbul https://www.turkishairlines.com/de-at/istanbul-airport/turkish-airlines-lounge/ - Place to be: die Business-Class Lounge von Turkish Airlines

  • FNAC HÄLT IN BASEL EINZUG

    Der französische Unterhaltungsriese FNAC ist neu auch im Manor Basel an der Greifengasse präsent. Der neue FNAC Shop-in-Shop im Manor Warenhaus Basel. Foto: zVg Manor Basel Von Vanessa del Moral Auf zwei Stockwerken wird das Produktsortiment in den Bereichen Bücher, Musik, Film, Multimedia, Videospiele, Telefonie, Fotografie, Haushaltsgeräte, Elektromobilität und Zubehör präsentiert. Die Eröffnung des neuen FNAC Shop-in-Shops im Manor Warenhaus Basel ist gelungen: angeboten werden pure Unterhaltung und eine tadellose Visualisierung der Produkte inklusive interaktivem Rundgang. Es ist der 27. FNAC Shop-in-Shop bei Manor in der Schweiz. Nostalgie liegt im Trend, auch bei FNAC; mit einer grossartigen Auswahl an Vinylplatten, kann der Kunde querbeet durch ein Repertoire von Hits stöbern. Das Angebot an Blogger Kameras trifft den Nerv der Zeit; gleichzeitig wird auch das Revival der Polaroid Kameras zelebriert – der Kreis schliesst sich. Ebenso vielfältig ist die Auswahl an Manga Comics. Die Farbenvielfalt könnte selbst Asterix-Fans für den Kauf solcher Comics begeistern. Es lohnt sich auf jeden Fall im neuen FNAC bei Manor reinzuschauen: übersichtlich, stilvoll und technologisch auf der Überholspur. FNAC überzeugt mit einer grossartigen Auswahl an Vinylplatten. Foto: Vanessa del Moral

  • SPAZIERGANG: LEBENDIGE LYRIK

    Die Poesie in Basel lebt – hier und heute. Und manchmal genau dort, wo man sie nicht vermuten würde. Gedichte kommen aus Automaten und laufen über das Poesietelefon. Im Kannenfeldpark steht (mittlerweile der zweite) Baum der Poesie. Im « Büro für Problem » werden literarische Kurzwerke in Handarbeit gedruckt. Und zweimal im Jahr – am Tag der Poesie und zum Internationalen Lyrikfestival Basel – wird Lyrik in dieser Stadt ganz gross gefeiert. Ein Rundgang im Grünen, der zum Verweilen einlädt. POESIE PUR SONNTAG, 19. JUNI 2022, 17–18.30 UHR Dauer: 1–1,5 Stunden Kosten: CHF 35.– Der Treffpunkt wird bei der Anmeldung bekannt gegeben. Anmeldung und weitere Information: www.literaturspur.ch

  • KOLLABORATION ZWISCHEN VOLTA UND DER ATHR

    Die VOLTA Art Fair kollaboriert mit der ATHR Foundation, einer der profiliertesten Kunstplattformen im Nahen Osten: An der VOLTA Basel wird ATHR erstmals zehn aufstrebende Künstler*innen aus Saudi-Arabien präsentieren, deren Werke nie zuvor auf internationalen Kunstmessen gezeigt wurden. In ihrem ersten regionalen Pavillon legt die VOLTA Basel den Schwerpunkt auf Künstler*innen aus dem Nahen Osten: Die ATHR Foundation präsentiert auf 70 Quadratmetern Werke von zehn unabhängigen saudischen Künstler*innen ohne eigene Galerie-Repräsentanz. Die Spotlight-Ausstellung ergänzt das internationale Angebot der Basler Kunstmesse und wirft ein Schlaglicht auf das vielfältige künstlerische Schaffen in der saudischen Region. Jumana Ghouth , eine in Jeddah ansässige Ausstellungsleiterin mit hoher Relevanz in Saudi-Arabien und der angrenzenden Region, kuratiert die Schau, die sich mit dem Begriff der Unantastbarkeit auseinandersetzt. Die präsentierten Werke erforschen den Begriff metaphysisch-emotional und in abstrakter Form. Die ATHR Foundation ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Jeddah und bietet Künstler*innen aus Saudi-Arabien eine unabhängige Plattform mit internationaler Sichtbarkeit. Die Stiftung unterstützt unabhängige Künstler*innen ohne feste Galeriebindung finanziell und künstlerisch durch umfangreiche Programme und die Finanzierung von Produktions-, Forschungs- und Residenzprojekten. Die Zusammenarbeit wurde von VOLTA-Messedirektor Kamiar Maleki und dem stellvertretenden Vorsitzenden des saudischen Kunstrates und Mitbegründer der ATHR-Galerie, Mohammed Hafiz, initiiert. Kamiar Maleki hebt zur Kollaboration hervor: « Bei VOLTA dreht sich alles um Entdeckungen. Seit ich Messedirektor bin, will ich Künstler*innen ohne feste Galerierepräsentanz mit einer eigenen Sektion unterstützen, um neuen Talenten eine Plattform zu bieten. Unseren ersten Schwerpunkt legen wir nun auf eine Region, die generell auf Messen unterrepräsentiert ist. Die Gespräche mit ATHR und Mohammed Hafiz über eine Zusammenarbeit laufen schon seit einiger Zeit, und ich freue mich sehr, dass wir unser erstes regionales wie inhaltliches Spotlight gemeinsam mit ATHR umsetzen können. Ich bewundere das ATHR-Galerieprogramm und sein langjähriges Engagement für die Förderung junger Künstler*innen. »

  • HAUTE-COUTURE IN BUBENDORF

    Modedesignerin Mergime Millaku setzt auf Slow-Fashion und qualitativ hochwertige Handarbeit. Von Andrea Elmiger Durch die grossen Schaufenster flutet Sonnenlicht in das Ladenlokal. Bunte Blumen in grossen Vasen, ein blaues Sofa aus Samt und eine alte mechanische Nähmaschine schmücken den Raum. Die Stoffe und Kleider, die auf grossen Kleiderständern hängen, sind nach Farben geordnet und machen Lust auf Mode. Hier in der gemütlichen Boutique mitten in Bubendorf arbeitet Mergime Millaku. Die Modeschöpferin hat sich auf die Fertigung massgeschneiderter Kleidung spezialisiert, darunter Ball- und Brautkleider. Im Angebot sind auch Änderungen. «Viele meiner Kundinnen und Kunden sind froh, wenn ihre Lieblingsstücke, die nicht mehr passen oder etwas aus der Mode gekommen sind, wieder zum Leben erwacht werden», erzählt die Schneiderin und Modedesignerin. Die Arbeit von Mergime Millaku steht im Kontrast zum Grossteil der Bekleidungsindustrie. Sie konzentriert sich auf Qualität statt Fast-Fashion, auf Nachhaltigkeit statt Massenproduktion. Der Wegwerfgesellschaft wehe ein starker Wind entgegen, ist sie sich sicher: «Die Menschen werden sich allmählich auch in der Mode bewusst, dass es sich sowohl ökologisch wie ökonomisch lohnt, für Kleider mehr Geld auszugeben, wenn diese unter fairen Bedingungen und aus hochwertigen Stoffen gefertigt wurden.» Neben der Boutique arbeitet sie in der Sekundarschule Reigoldswil als Handarbeitslehrerin. Das Weitergeben ihrer Leidenschaft an die nächste Generation liegt ihr sehr am Herzen. Auch sie hat mit dem Nähen früh angefangen. Bereits als Kind nähte und bastelte sie Kleider für ihre Puppen und sich selbst. «Schon damals wusste ich, dass meine Zukunft dominiert sein wird von Stoffen, Scheren und Schnittmustern.» Mergime Millaku Haute Couture, Hauptstrasse 12, 4416 Bubendorf Instagram: mergimemillaku

  • AUSSTELLUNG BRICE MARDEN: «INNER SPACE»

    Die Ausstellung Inner Space zeichnet eine künstlerische Entwicklung nach und verfolgt sie bis zu den Werken der Gegenwart. Gezeigt wird dies anhand von 104 Werken auf Papier und acht Gemälden aus dem Kunstmuseum Basel und von nationalen und internationalen Leihgebern. Portrait of Brice Marden I Foto: Mirabelle Marden Brice Marden (*1938, Bronxville, NY) ist einer der bedeutendsten Maler unserer Zeit. Das Kunstmuseum Basel zeigt in der Ausstellung Inner Space im Neubau über hundert Werke des US-Amerikaners aus den Jahren zwischen 1972 und 2019. Darunter sind Zeichnungsserien und Gemälde aus der Sammlung des Künstlers, von denen einige zum ersten Mal überhaupt zu sehen sind. Marden etablierte sich in den 1960er Jahren mit monochromen Gemälden und emotional geprägten Zeichnungen. Er vereint in seinem Werk zwei grundlegende Positionen der modernen Malereitradition: einerseits die für den Abstrakten Expressionismus typische Gestik, andererseits den Hang zur Reduktion auf das Wesentliche, was sein Werk zumindest äusserlich der Minimal Art annähert. Inner Space zeigt damit ein OEuvre, das an die Sammlungsschwerpunkte der Öffentlichen Kunstsammlung Basel zur US-amerikanischen Kunst nach 1960 anknüpft. Post and Lintel 7 I Wax and graphite on Arches Aquarelle Torchon paper Bis in die 1970er Jahre schuf Marden monochrome Farbtafeln, die einige Jahre später in Diptychen und grossformatigen, vielteiligen Bildern zu komplexen Auseinandersetzungen mit Fläche und Farbe wurden und die sich als Landschaften und Architekturen lesen lassen. Im Zentrum seiner malerischen und zeichnerischen Praktiken steht sein Interesse an Linien, Gesten und an der Beschränkung auf einfache Mittel und Materialien («there’s no electricity involved»). Früh forderte er ausserdem für seine Zeichnungen, die den Gemälden in der Hierarchie der künstlerischen Medien meist untergeordnet werden, eigenständige Wertschätzung. In einem Text von 1979 bat Marden darum, seine Zeichnungen «als Räume» zu betrachten. Er verdeutlicht damit, dass die Zeichnung für ihn ein Medium ist, das nicht nur in mehr als zwei Dimensionen existiert, sondern auch in der Lage ist, den Geist und die Erfahrung eines bestimmten Ortes widerzuspiegeln. Studie zum mittleren spätgotischen Lanzettfenster und Window Study I Tinte / Bleistift und Aquarell auf Papier, auf Holzrahmen aufgezogen I Kunstmuseum Basel - Jonas Hänggi Durch die Gegenüberstellung von Zeichnungsserien und Malerei wird in Inner Space das Prozesshafte in Mardens Schaffen deutlich gemacht. Ausgangspunkt ist eine Werkphase, die in Basel ihren Ursprung hat: Der Künstler setzte sich während sieben Jahren intensiv mit der Stadt auseinander. 1978 gewann er einen Wettbewerb zur Neugestaltung der Chorfenster des Basler Münsters. Seine Entwürfe wurden jedoch nie realisiert. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl der Studien zu diesem Projekt, die sich in der Sammlung des Kunstmuseums Basel befinden, sowie einige in diesem Kontext entstandene Window Paintings , die äusserst selten zu sehen sind. Trotz des Scheiterns des Basler Projekts wurden jene Jahre zur entscheidenden Zäsur in Mardens Schaffen und zum Fundament für seine weitere künstlerische Entwicklung: Er begann sich Anfang der 1980er Jahre – angeregt vom Besuch der Ausstellung Masters of Japanese Calligraphy in New York – mit asiatischer Kalligrafie und Dichtung auseinanderzusetzen und unternahm erste Reisen nach Thailand. Dort und auch auf der griechischen Insel Hydra entstanden Zeichnungen, die fernöstlichen Schriftzeichen nachempfunden waren, denen aber weiterhin Beobachtungen der Natur zugrunde lagen. Mit dieser Auseinandersetzung begann für Marden die Abkehr von der monochromen Malerei. Cold Mountain Series, Zen Studies I Radierung in sieben Zustandsdrucken I Kunstmuseum Basel - Jonas Haenggi Mitte der 1980er Jahre begann Marden die Cold Mountain -Serie. Er bezog sich damit auf die Schriften des berühmten Dichters Han-Shan, bekannt als «Cold Mountain», der während der Tang-Dynastie (618–907) in China tätig war. Die Flächen des Frühwerks sind darin aufgelöst und ersetzt durch Linien und Bildzeichen, die Bewegung spürbar werden lassen. Spannungsreiche Farbgitter und verschlungene Linien beherrschen fortan Mardens Leinwände. In den weiteren Jahren verfestigten sich die Lineaturen und finden wieder zu Farbe. Ein prägnantes Beispiel hierfür ist das monumentale Gemälde The Muses (1991–1993) aus der Daros Collection in Hurden: Die kalligrafische Struktur, die dem Gemälde zugrunde liegt, entwickelt sich zu einer freien Choreografie fliessender Linien in Grün, Gelb, Grau und Blau. Brice Marden. Inner Space ist eine erweiterte Version der von Kelly Montana kuratierten Ausstellung Think of Them as Spaces. Brice Marden’s Drawings in der Menil Collection, Houston (21.2.–14.6.2020). Kunstmuseum Basel, Neubau Die Ausstellung läuft bis am 28. August 2022 Veranstaltungen, Tickets und Öffnungszeiten zur Ausstellung finden Sie auf www.kunstmuseumbasel.ch

  • «RIGHT HERE, RIGHT NOW» VON JEPPE HEIN AN DER ART BASEL

    An der Art Basel, 16. bis 19. Juni, präsentiert Maison Ruinart einen brandneuen Künstler. Der dänische Künstler Jeppe Hein. Fotos: Moët Hennessy Suisse Die Maison Ruinart nutzte die Kunst schon immer, um unsere Welt zu verstehen, Verbindungen untereinander zu knüpfen und unser Bewusstsein zu schärfen. Jedes Jahr überreicht Ruinart zeitgenössischen internationalen Kunstschaffenden eine Carte blanche, damit diese die Geschichte und das Fachwissen der Maison mit ihrer Kunst interpretieren. 2022 geht die Carte blanche der Maison Ruinart mit Jeppe Hein an einen Künstler, der genau weiss, wie er unsere Herzen berühren kann. Seine ersten Eindrücke vom Ruinart-Terroir überträgt er in einzelne Fragmente von Materialien und Emotionen, die unsere Sinne wecken, während sie jeden Einzelnen von uns zum Mittelpunkt eines wunderbaren interaktiven Erlebnisses machen. Geteilte Momente, die einzigartig sind. Eine künstlerische Installation, die es im Hier und Jetzt zu erleben gilt: RIGHT HERE, RIGHT NOW . Jeppe Hein liebt es, das Unerwartete zu provozieren. Der 1974 geborene und in Berlin ansässige dänische Künstler hat sich mit Installationen einen Namen gemacht, deren offensichtliche Einfachheit die Beziehung des Betrachters zum Raum ebenso verändert wie die interaktive Dimension im Kern der Arbeit. RIGHT HERE, RIGHT NOW ist eine interaktive Installation, die die fünf Sinne anspricht und die vier Elemente auf den Plan ruft – Erde, Wasser, Luft und Feuer – die wesentlich für die Champagnerherstellung sind. Erleben Sie eine fantastische Kombination aus Kunst, Genuss und Inspiration und lassen sie sich auf die interaktive Dimension ein.

  • DOJO – DAS MOJO FÜR DIE GESUNDHEIT

    Nutzen Sie die Übergangszeit zum Sommer, um Schwachpunkte in Ihrer Gesundheit auszugleichen. Von Patricia Raña Vom 27. April bis 16. Mai befindet sich unsere Körperenergie in der Übergangszeit zum Sommer und daher in der Wandlungsphase Erde. Wir können diese Übergangszeiten nutzen, um Schwachpunkte in unserer Gesundheit auszugleichen und uns so für die nächste Jahreszeit vorbereiten. Die sogenannten Dojozeiten, vier an der Zahl pro Jahr, eignen sich sehr gut, um unsere Gesundheit zu boosten und nicht etwa im Sinne der Selbstoptimierung, sondern im Sinne der Selbstfürsorge, um zurück zu unserer Mitte zu finden und von dort aus wieder nach aussen wachsen zu können. Die goldene Mitte trägt den Samen zum Wachstum und diesen brauchen wir, um in all unseren Lebenssparten wachsen und gedeihen zu können. Die richtige Ernährung basiert also nicht nur auf einer ausgewogenen festen oder flüssigen Nahrung, sondern auch auf eine ausgleichende geistige Nahrung. Was muten wir unserm Geist täglich zu? Überfordern wir ihn so sehr, dass unsere uns innewohnende Intelligenz Ihrer Aufgabe der Verdauung nicht nachkommen kann? Das Rundherum bei einer Mahlzeit ist genauso wichtig, wie die Mahlzeit auf dem Teller selbst. So sollten Sie… in einer angenehmen Atmosphäre Essen und trinken sich nicht von Medien, egal welcher Herkunft, ablenken sich genug Zeit nehmen für die Nahrungsaufnahme (Convenience-Food und Junkfood also vom Essplan streichen) Wo nichts drin ist, können Sie auch nichts rausholen. Und genau darum geht es, gutes Qi (Energie) aus der Nahrung zu gewinnen, damit Ihr Körper gutes Qi transformieren kann und Sie auf höchstem Niveau Leben können. wenn immer möglich während dieser Zeit auf Belastendes wie Kaffee, Alkohol, Zucker, Nikotin, Milchprodukte, Wurstwaren, Käse u.a. verzichten regional und saisonal essen sich nicht überessen (Ostern war gestern) die Dojozeit für eine Entschlackungskur mit einem Reiscongee nutzen der Erdung und Bewegung gleich viel Bedeutung geben Dojo Reiscongee Rezept Im Verhältnis 1:10 kochen Sie etwas Jasminreis mit Wasser auf. Lassen Sie ihn während zwei bis vier Stunden köcheln. Einmal abgekühlt lässt es sich für drei Tage im Kühlschrank aufbewahren. Sie können Ihr Congee mit Gemüse oder Früchtekompott etwas aufpeppen, damit es nicht allzu langweilig schmeckt.

  • NEUER CONCEPT STORE AM SPALENBERG

    Der neue Concept Store joyne im Herzen der Basler Altstadt steht für nordisches Design, Kaffee, Pflanzen und Boho-Stil. Ganz nach dem Motto «united in joy» führt Claudine Kuhn mit ihrem Frauenteam den Laden mit integriertem Café und neuen Online-Shop. «Aus Leidenschaft für Ästhetik und Design und weil wir der Meinung sind, zusammen macht es viel mehr Spass, haben wir joyne ins Leben gerufen», sagt Claudine Kuhn. Concept Store, Online-Shop und Café in einem joyne ist ein Concept Store mit Online-Shop www.joyne.com, ein Café und eine Refill-Station für Ihre Lieblingsprodukte. Aus Liebe und Freude an schönen Dingen sucht das erfahrene Frauenteam nachhaltige und nützliche Wohnaccessoires und Lifestyleprodukte aus. Dabei legen sie auf zeitloses, nordisches Wohndesign ebenso Wert wie auf eine persönliche Beratung. Regelmässig reinschauen lohnt sich, denn es gibt bei joyne immer wieder Neues zu entdecken. Ein Wohlfühlort, der zum Verweilen einlädt: joyne am Spalenberg 15 in Basel. Wohnzimmeratmosphäre K undinnen und Kunden, die den Laden betreten, fühlen sich direkt zu Hause. Joyne bietet eine kuratierte Auswahl an aufstrebenden und international angesagten Brands wie Ferm Living, Muuto, HK-Living, Menu, String, Tip Toe, Hay und vieles mehr. Das joyne-Team stylt und mixt diese Marken zu einem für die Kundschaft typischen joyne-Look. Im oberen Stock lädt der Concept Store mit Café weiterhin zum Verweilen ein. Im neuen Ambiente sind die Gäste umgeben von einer grossen Auswahl an Pflanzen und mit viel Leidenschaft ausgesuchten Wohnaccessoires. Nicht nur zur Inspiration, denn das gesamte Mobiliar und Dekor kann auch gekauft werden. Darüber hinaus will das Frauenteam das Online-Geschäft stärken sowie in Zukunft mit der Eigenmarke joyne seine eigene Wohlfühl- und Lifestyle-Marke anbieten. Plattform für inspirierende Frauen «Women Empowerment» wollen Alexandra, Claudine, Patrizia von joyne leben und nicht nur darüber sprechen. Sie sehen sich auch als Plattform für inspirierende Frauen, ihr Schaffen und ihre Produkte. Frauenpower: Hinter joyne stehen (v.l.n.r.) Patrizia, Alexandra, Claudine

  • YOUNG STAGE IN BASEL

    Die weltbesten jungen Profiartistinnen und -artisten verwandeln Basel vom 20. bis 24. Mai 2022 in einen grossen Zirkus. Duo Cyr Wheel, Duo Leole: Leonie Körner & Ole Lehmkuhl (Deutschland) In wenigen Wochen steht Basel wieder ganz im Zeichen des jungen, innovativen Zirkus auf internationalem Spitzenniveau. Die 13. Ausgabe des Internationalen Circus Festivals YOUNG STAGE bietet in Basel während fünf Tagen ein umfassendes Zirkuserlebnis: sechs Liveshows verzaubern die Besucher in der Event Halle der Messe Basel sowie ein grosses Open-Air-Zirkus-Spektakel inklusive Zirkus-Parcours für Kinder in der Basler Innenstadt. Mit 379 Bewerbungen aus 59 Nationen sind überwältigend viele Bewerbungsdossiers von jungen Artistinnen und Artisten aus der ganzen Welt, die alle von der weltweit beachteten Casting-Plattform in Basel profitieren möchten, bei YOUNG STAGE eingegangen. Zwei Festivalausgaben innerhalb eines halben Jahres Nach mehrmaliger Corona bedingter Verschiebung des Festivals 2021 fand die letzte Ausgabe im vergangenen November statt. YOUNG STAGE kehrt nun zum «alten Rhythmus» zurück und geht deshalb nur rund sechs Monate nach der letzten Austragung bereits wieder an den Start. Die Organisatoren sind aufgrund der verkürzten Vorbereitungszeit entsprechend stark gefordert. Geschäftsführer Beat Läuchli sagt zur aktuellen Herausforderung: «Es ist generell eine nicht unwesentliche Challenge, zwei Festivals innerhalb von einem Jahr umzusetzen. Die grösste Unbekannte ist jedoch für uns die Frage, ob unser Publikum auch zweimal innerhalb eines Jahres eine Show besuchen kommt und wir entsprechend Tickets verkaufen können, was selbstredend enorm wichtig ist für unsere Organisation. Nach der ganzen Corona-Unsicherheit ist das in diesem Jahr ein neues Risiko von unbekannter Grösse, das wir eingehen. Aber wir sind sehr motiviert und auch zuversichtlich, dass YOUNG STAGE 2022 wiederum ein Erfolg wird.» Zusätzlich zum internationalen Artistenwettbewerb, der in der Event Halle der Messe Basel stattfindet, geht am Samstag, 21. und Sonntag, 22. Mai 2022 ein grosses Open-Air-Zirkus-Spektakel mit 30 innovativen Zirkusshows für Gross und Klein auf dem Barfüsserplatz und der Kaserne über die Bühne. Beim Zirkus-Parcours dürfen Kinder diverse Zirkusdisziplinen selbst ausprobieren. Die YOUNG STAGE Shows im Überblick: Freitag, 20. Mai 2022 19.30 Uhr (Premiere) Samstag, 21. Mai 2022 19.30 Uhr Sonntag, 22. Mai 2022 11.00 Uhr (Family Show) und 18 Uhr Montag, 23. Mai 2022 19.30 Uhr (Show mit Jurierung) Dienstag, 24. Mai 2022 19.30 Uhr (Gala mit Preisverleihung) Die Shows werden von Max Loong moderiert, musikalisch führt die Band «Äl Jawala» durch den Anlass. Jede der sechs Vorstellungen bietet Platz für 1200 Zuschauer. Die Highlights des Programms 2022 werden Ende Jahr auf mehreren Schweizer TV-Sendern ausgestrahlt. Location: Event Halle Messe Basel Vorverkauf via Ticketcorner (CH) und Eventim (DE) Für alle sechs YOUNG STAGE Shows sind noch Tickets erhältlich. Die Karten können via Ticketcorner bezogen werden. Die Jury und die Preise 2022 Eine international besetzte Fachjury beurteilt die Artistinnen und Artisten am Montag, 23. Mai sowie am Dienstag, 24. Mai und verleiht die Hauptpreise des Festivals. Zudem vergeben Showproduzenten aus dem In- und Ausland diverse Engagements in Shows, Zirkussen und Varietés. Die Preisverleihung findet anlässlich der Gala am 9. November statt. Weitere Informationen finden Sie hier.

  • ALIA FARID: LIEBE UND WASSER IN DER KUNST

    Noch bis zum 22. Mai ist die Ausstellung In Lieu of What Is der Kuwaiterin Alia Farid in der Kunsthalle Basel zu sehen. Installationsansicht, Alia Farid, In Lieu of What Is, Kunsthalle Basel, 2022. Foto: Philipp Hänger / Kunsthalle Basel «Tausende haben ohne Liebe gelebt. Nicht eine/r ohne Wasser» W. H. Auden (britischer Dichter) Sich für eine Einführung in Alia Farids Werk diese Worte in Erinnerung zu rufen, mag hilfreich sein, denn in den letzten Jahren hat ein grosser Teil von Farids Kunst mit Liebe und Wasser zu tun. Diese Grundbedürfnisse der Menschen sind eng verflochten mit den widersprüchlichen Kräften von Konflikt und Natur, Ideologie und Ökologie, Verletzlichkeit und Gerechtigkeit. Und damit letztendlich auch mit der Art und Weise wie historisch Gier und Rache – die Gegenspieler der Liebe – dazu geführt haben, dass Trinkwasser in der arabischen Welt als eine Art von Waffe instrumentalisiert wurde. Es ist genau diese Region und ein damit einhergehender Komplex an Fragestellungen, die im Fokus der ersten Ausstellung der kuwaitisch-puertoricanischen Künstlerin in der Schweiz stehen. Farid zeigt in der Ausstellung drei neue Werkgruppen : eine Reihe von monumentalen Skulpturen , die imposant im Hauptraum der Ausstellung stehen, gefundene Textilgurte sowie eine Toninstallation in den angrenzenden Räumen. Mit bescheidenen Mitteln, welche über die Komplexität dieser historischen Prozesse, welche Farid näher untersucht, hinwegtäuschen, folgt die Künstlerin den Spuren, welche Wasser als politischer Faktor in der arabischen Welt hinterlassen hat. Der erste Ausstellungsraum zeigt eine DE Installation aus fünf überlebensgrossen Behältnissen zum Transport und zur Aufbewahrung von Wasser: ein kugelförmiges Gefäss aus Kupfer (Lota), eine Kanne aus Ton mit kleinem Deckel (Juglet), ein Keramik- krug (Jug/Pitcher), ein Kunststoffkanister (Jerrican) und eine heute allgegenwärtige PET- Plastikflasche (Water Bottle). Farids Fassungen sind eindrucksvoll, innen hohl und leicht, geformt aus lackiertem, glasfaserverstärktem Kunststoff in der Farbigkeit von Wüsten- sand. Sie wurden im selben Verfahren hergestellt wie die dekorativen Ummantelungen von öffentlichen Trinkbrunnen, die inzwischen fester Bestandteil der städtischen Land- schaften am Persischen Golf sind. In den letzten Jahren hat die Künstlerin mit kommerziellen Unternehmen, welche derartige Brunnenverkleidungen herstellen, zusammengearbeitet, um unterschiedliche Gruppierungen dieser Skulpturen zu entwickeln – mal hat sie Kopien von bestehenden Formen abgenommen, mal hat sie eigene Gussformen geschaffen. Dadurch stellt die Künstlerin eine Verbindung her zwischen der jahrhundertealten Tradition öffentlicher Trinkbrunnen und der Realität der regionalen Meerwasserentsalzung – der Mangel an verfügbarem Trinkwasser ist die ökologische Folge von politischem Handeln und den Aktivitäten einer Wirtschaft, die den industriellen Erdölabbau über alles andere stellt. Inspiriert von diesen Brunnen sind Farids Skulpturen in Form von überlebensgrossen Wasserbehältern gestaltet– ein bewusst tautologischer Schachzug der Künstlerin. Historisch betrachtet, markieren Gefässe menschliche Lebensräume und sie kommen überall vor, in sämtlichen Kulturen, in jeder Epoche, in allen Arten von Siedlungen, unabhängig von sozialen Gruppierungen. Sie sind die Fundstücke, die weltweit am häufigsten bei archäologischen Ausgrabungen geborgen werden und ihr Vorhandensein allerorts liefert eine Fülle von Informationen. Die analytischen Untersuchungen dieser Objekte offenbaren Netzwerke des Austausches, Aspekte der Mobilität und die Feinheiten von sozialem Gefüge. Ihre Formen, Arten, Dekorationen und Stückzahlen geben Auskunft über die Aktivitäten, Geschmäcker, Vorstellungen und Lebensweisen menschlichen Daseins. Da Farids künstlerische Praxis einer anthropologischen Ausgrabung gleichend bestimmte Dinge zutage fördert, erscheint es Sinn zu machen, dass sie sich mit Absicht auf solche Gefässe konzentriert – helfen sie doch die verschlüsselten Zeichen der Zusammenhänge von Wasser und Macht ans Licht zu brin- gen (und uns vor Augen zu führen). Im letzten Ausstellungsraum erklingt eine Toninstallation, bei der ein junger Mann mit Namen Qasim seinen Büffel, der am Wasser ist, ruft. Die Lebensweise von Qasim und an- deren Bewohnenden der südirakischen Sumpfgebiete im Grenzgebiet zwischen dem Irak und dem Iran ist geprägt von der Wasserbüffelzucht, dem Fischfang und dem Anbau von Schilfrohr, wo die zwei Ströme Euphrat und Tigris zusammenfliessen. Über viele Generationen hinweg haben sie hier in Abgeschiedenheit gelebt, mitunter auf Erhöhungen im Sumpf, meist nur mit dem Boot zu erreichen. Die Tonaufnahmen der Künstlerin stammen aus dem Marschland al-Ahwar im Süden des Iraks, wo sie zum ersten Mal auf die seltsame Eigenart und Wirkkraft artenübergreifender Rufe traf. Diese eindrücklichen Klänge – zwischen Sprache, nachgeahmten Tierlauten und Gesang – sind Ausdruck einer Verständigung zwischen Menschen und anderen Lebensformen. Wie eine Dokumentation zur Bewahrung einer vom Aussterben bedrohten Sprache, gelingt es Farid mit ihrer Aufnahme von dieser aussergewöhnlichen – und erstaunlich effizienten – Artikulation eine Vorstellung von Gemeinschaft und Kommunikation festzuhalten, welche es vielleicht bald nicht mehr geben wird. Im Laufe der Geschichte galten diese Feuchtgebiete und ihre Bewohnenden stets als unregierbar und stellten für jede irakische Regierung eine politische Herausforderung dar, weil sie auf ihre Autonomie und Unabhängigkeit von jeglicher Hegemoniemacht beharrten. Die Geografie der undurchdringlichen Sumpflandschaft war hierbei hilfreich. Unter der US-amerikanischen Besatzung und des von der UNO beaufsichtigten «Wiederaufbaus» nach dem Irakkrieg 2011 wurden die Sumpfgebiete zum öffentlichkeitswirksamen Symbol für eine neue Nation. Allerdings erleichterten die als sogenannte ökologische Wiederherstellung gefeierten Massnahmen in Wirklichkeit nur den profitorientierten, multinationalen Erdölabbau und dienten vor allem als Deckmantel für die Expansion der US-amerikanischen Erdölkonzerne und ihrer Infrastruktur. Kurz gesagt, der Krieg wurde schlicht mit anderen Mitteln fortgesetzt, wie es die Anthropologin Bridget Guarasci beschrieben hat und wie die Künstlerin selbst in ihren eigenen Forschungen herausfand. Die Überlegungen der Künstlerin zu derartigen offiziell sanktionierten Gewaltausübungen bilden auch die Grundlage für die Präsentation dervorgefundenenTextilschlingen.DieseHalte- und Tragegurte aus Stoff, welche Verwendung finden in Häfen, auf Baustellen, beim Bau von Rohrleitungen oder allgemein als praktisches Hilfsmittel beim Transport schwerer Gegenstände, sind verblichen und verschlissen, staubig und von Gebrauch gezeichnet. Aus- gestellt wie archäologische Artefakte, so als seien sie wertvolle Beweise von Zivilisation, stehen sie stellvertretend für die Nutzbarmachung der Natur durch den Menschen und die grossen Materialmengen, welche dafür bewegt werden. Demzufolge verweisen sie auf die enormen Anstrengungen, welche unternommen werden, um das, was für unbändig oder unfügsam gehalten wird, zu zerstören. Farid assoziiert mit diesen Gurten die vielfältigen Manipulationen von staatlicher Seite, aber auch die der multinationalen Konzerne, die vorgeben eine Region zu unterstützen, und dabei doch nur beabsichtigen, die eigenen Taschen mit Geld zu füllen. Wenn der Kreislauf von Wasser als Metapher für den Kreislauf von Lebensenergie gelesen werden kann, dann kann er ebenso als Sinnbild für den Fluss von Kapital, Macht und Gewalt verstanden werden. In den drei Räumen und den miteinander in Bezug stehenden Werken wird bei In Lieu of What Is (Anstellen dessen, was ist) eine Realität wiedergegeben, welche fern der unseren erscheint, dabei sind wir eng mit ihr verbunden – alleine durch den täglichen Verbrauch von erdölbasierten Produkten. Mit leichter Hand und in den sanften Farbtönen von windigen Wüsten und moorgrünem Gewässer beschwört die Künstlerin einen Ort hervor, welcher von Komplexität gezeichnet ist. Ihr Projekt scheint eine gewisse Art von Gleichmut zu besitzen, obwohl es von vielfältigen Ungerechtigkeiten angetrieben ist. Es konfrontiert uns mit der Frage, was wohl passieren würde, wenn Respekt, Grosszügigkeit und Fürsorge – kurz: Liebe – an die Stelle von Unterdrückung, Machtkampf, Rache und Profit treten würde. Mit dem Echo von Qasims Ruf, der unterschiedliche Arten erreicht, in den Ohren, fordert uns Farid auf, uns eben das für einen kurzen Moment vorzustellen. Alia Farid wurde 1985 in Kuwait-Stadt geboren und lebt und arbeitet in Kuwait-Stadt und San Juan. Video von Alia Farid im Gespräch mit Elena Filipovic (auf Englisch)

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