Smokey Eyes: der rauchige Blick für Herbst und Winter

Verwischt, rauchig, ein wenig verrucht: Smokey Eyes sind zurück auf den Laufstegen. Von Gucci bis Givenchy setzen die Häuser für Herbst und Winter auf dunkle, weich verblendete Lider. Wie der Look entsteht, welche Farben die eigene Augenfarbe zum Leuchten bringen und welche Texturen den Unterschied machen.

Smokey Eyes auf dem Laufsteg: Gucci, Saint Laurent und Burberry
Mit seiner ersten Kollektion für Gucci griff Demna in Mailand auf die Tom-Ford-Ära zurück, und das Make-up folgte dieser Erinnerung. Make-up-Artist Sam Visser kombinierte rauchige Augen mit nudefarbenen Lippen; die Gesichter wirkten, als kämen die Models direkt aus einer durchtanzten Nacht. Kate Moss schloss die Schau.
In Paris schminkte Pat McGrath für Saint Laurent rauchige Augen zu einem sinnlich gezeichneten Mund, ein Glamour mit Anklängen an die Achtzigerjahre und an die Aura von Marlene Dietrich. Die Lippen glänzten dabei in einem Parmaviolett, das den dunklen Lidern eine unerwartete Weichheit gab. Burberry erzählte in London von der Stadt bei Nacht, von Strassenlaternen, die sich im nassen Asphalt spiegeln. Passend dazu lag der Kajal auf der Wasserlinie und am unteren Wimpernkranz, bewusst ein wenig müde.

Prada: die Schönheit der Erschöpfung
Bei Prada wurde der rauchige Blick zur Haltung. Miuccia Prada und Raf Simons verstehen ihre Kollektion als Spiegel der vielschichtigen Wirklichkeit von Frauen, und Make-up-Artist Lucia Pieroni übersetzte das in Gesichter, die nichts beschönigen. Die Augen waren in tiefmattem Schwarz umrandet, absichtlich unperfekt gezogen, die Schatten unter den Augen wurden betont statt kaschiert. Auch Bella Hadid lief mit dunkel umschatteten Augen über den Laufsteg.
Dazu kam eine leichte, leuchtende Haut, weich verwischt, und natürliche Lippen als ruhiges Gegengewicht zum grafischen Blick.

Givenchy: die Kraft des Blicks
Für die Winter-Show von Sarah Burton bei Givenchy stellte Lucia Pieroni die Kraft des Blicks ins Zentrum. Die Augen wurden in ein diffuses Schwarz gerahmt, das getragen, persönlich und luxuriös wirken sollte; die Stärke der Frau drückte sich über die Augen aus. Ausgeglichen wurde die Intensität durch einen sorgfältig veredelten Teint und weiche, natürliche Lippen, dazu trugen die Models nass zurückgekämmtes Haar.
Backstage kamen Prisme Libre Glow Serum Fondation und Prisme Libre Pressed Powder für die Haut zum Einsatz, L'Interdit Mascara Couture Volume für die Wimpern und Le Rouge Velvet Matte für den Mund.

Komplementärfarben: so kommt die Augenfarbe zur Geltung
Soll nicht der Lidschatten, sondern die Iris strahlen, hilft ein Blick auf den Farbkreis. Farben, die der Augenfarbe gegenüberliegen, verstärken sie durch den Kontrast. Blaue Augen leuchten mit Braun, Bronze, Gold, Apricot oder Orange; blaue und grüne Schatten nehmen ihnen dagegen die Wirkung. Grüne Augen gewinnen mit Lila, Violett, Aubergine, Bordeaux, Kupfer und Gold.
Braune Augen vertragen kühle, kräftige Töne wie Blau, Grün, Flieder und Aubergine sowie metallische Nuancen. Graue Augen kommen mit Beerentönen, Gold und Erdfarben zur Geltung. Für Smokey Eyes heisst das: Ein rauchiges Bronze passt zu blauen Augen, ein verblendetes Aubergine oder Bordeaux zu grünen.

Smokey Eyes schminken: Schicht für Schicht
Der Look entsteht nicht in einem Zug. Die Make-up-Artistin Nikki DeRoest aus Los Angeles rät, direkt am Wimpernkranz zu beginnen und die Farbe von dort nach aussen aufzubauen, statt sofort das ganze Lid zu bedecken. Bewährt hat sich die Reihenfolge von cremig zu pudrig: Ein Cremelidschatten legt die Form fest, Puder verstärkt die Tiefe, und zum Schluss wird verblendet, bis die Kanten beinahe verschwinden. Wem tiefes Schwarz zu streng ist, weicht auf Anthrazit, kühles Grau, Braun oder Mauve aus; gerade die kühlen Grautöne lassen sich zu einem wolkig weichen Schleier auflösen.
Für die lässige Variante genügt ein Kajal, der auf und unter dem Lid aufgetragen und grosszügig verwischt wird. Pinsel sind dafür nicht zwingend nötig, die Fingerkuppen reichen. Eine gut vorbereitete Haut hält das Ergebnis länger frisch; wie sich die Pflege auf die kühle Jahreszeit einstellt, zeigen die Beauty-Routinen im Herbst.

Texturen, die sich verblenden lassen
Weil ein rauchiger Look von der Verblendbarkeit lebt, zählt die Formel. Der Satin Kajal Liner von Victoria Beckham Beauty ist cremig und wasserfest und lässt sich scharf gezeichnet oder weich ausgewischt tragen; die Nuance Cinnamon besitzt einen integrierten Smudger. Der Long-Wear Cream Eyeliner Stick von Bobbi Brown hat einen eingebauten Spitzer und wird an der Oberkante mit den Fingern oder einem Smokey-Eyeliner-Pinsel weich gezogen; neben Panther in Schwarz und Rich Chocolate in Braun gibt es Aubergine, ein tiefes Burgunder, das grünen Augen schmeichelt.
Für die Fläche eignen sich Creme-zu-Puder-Formeln wie der Solo Shadow von Merit. Er hinterlässt einen transparenten, aufbaubaren Schleier mit sanft mattem Finish, setzt sich nicht in Fältchen ab und ist unter anderem in den Nuancen Midnight, Brun und Vachetta erhältlich. Das Lidschatten-Quartett Ombre 4 Couleurs von Clarins enthält einen integrierten Primer, der für Halt sorgt.

Smokey Eyes vom Tag in den Abend
Wie wandelbar der Look ist, zeigte Hermès. Die Kollektion spielte mit dem Licht der Dämmerung, von den warmen Farben der letzten Sonnenstrahlen bis zum Schimmer des Mondes. Das Augen-Make-up folgte in unterschiedlichen Intensitäten dem Übergang vom Tag in die Nacht, bis der Blick zu einer nächtlichen Landschaft wurde. Im Alltag genügt ein braun verwischter Kajal am Wimpernkranz. Für den Abend kommen Schichten hinzu: mehr Tiefe im äusseren Augenwinkel, ein dunklerer Ton, ein Hauch Schimmer auf dem Lid.
So begleiten Smokey Eyes durch Herbst und Winter, vom Büro bis zur Vernissage, und passen zu Mantel und Stiefel ebenso wie zu den Ballerinas der Saison. Ein Look, der Unperfektion nicht versteckt, sondern zum Stilmittel erhebt.




