Afternoon Tea in der Schweiz: das stille Bergritual von Crans-Montana

Zwischen Bergwiesen und einem der weitesten Alpenpanoramen der Schweiz gewinnt eine alte Geste neuen Reiz: der Nachmittag, an dem für einen Tee alles stillsteht. In der Hostellerie du Pas de l'Ours in Crans-Montana wird daraus ein Erlebnis, das weit über Scones und Sandwiches hinausreicht – und Lust macht, dem Ritual quer durch die Welt der Relais & Châteaux zu folgen.

Ein Refugium für die Teestunde in Crans-Montana
In einem ganz in Holz gehaltenen Chalet, heimelig wie eine Berghütte, haben Gäste die Wahl zwischen zwei Nachmittagen. «Le Goûter» verlängert die Stunde mit feiner Patisserie, samtiger heisser Schokolade und aussergewöhnlichen Teesorten. «Le Pétillant» verleiht denselben zarten Süssigkeiten ein Prickeln von Champagner. Beide entfalten sich vor einem der weitesten Panoramen der Schweizer Alpen – dort, wo der Blick weiter reicht als jeder Terminkalender.
Verantwortlich für die Handschrift ist Sterne-Küchenchef Franck Reynaud, dessen instinktive, vom Terroir geprägte Küche alpine Produkte und präzises Handwerk in den Mittelpunkt stellt. Am schönsten fügt sich die Teestunde in einen langen Bergtag: erst ein Spaziergang entlang der Bisse du Ro, dann das Ritual auf der Terrasse, später ein Gourmet-Dinner im Restaurant L'Ours. Im Sommer wie im Winter bleibt Crans-Montana damit eine jener Adressen, die am tiefsten in der alpinen Lebenskunst verwurzelt sind.
Afternoon Tea in der Schweiz: das Nachmittagsritual mit Alpenblick
Der Afternoon Tea in der Schweiz ist längst mehr als britische Nostalgie. Er steht für eine Kultur der Pause – für den Moment, in dem eine eingeschenkte Tasse, ein sorgfältig angerichtetes Gebäck und ein mit Bedacht gedeckter Tisch davon erzählen, wie man empfängt und wie man innehält. Genau darin liegt der Reiz für alle, die dem Spätsommer eine langsamere Note geben möchten: keine durchgetaktete Ausflugsliste, sondern eine bewusst gesetzte Stunde mit Aussicht.
Wer Genuss lieber mit Bewegung verbindet, findet dieselbe Haltung auf einer kulinarischen Wanderwoche im Engadin: auch dort gehört das Innehalten zwischen den Gipfeln zum Programm. Wo das Ritual ernst genommen wird, verwandelt es einen Nachmittag in eine kleine Zeremonie – und einen Ort in ein Ziel.
Wenn das Ritual auf Reisen geht
Die Teestunde von Crans-Montana ist Teil einer grösseren Idee. In zehn Häusern der Vereinigung Relais & Châteaux, die sich als Hüterin von Gastfreundschaft und lokaler Kultur versteht, wird der Nachmittag jeweils anders gedeutet – und jedes Mal zum Anlass, ein Stück Welt zu entdecken.
In der Maison Pic in Valence hebt Anne-Sophie Pic, mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet, das französische «goûter» auf ein «4H»: süsse Köstlichkeiten, Tellerdesserts und herzhafte Häppchen, getragen von Kräutern, Blüten und Gewürzen. Im schottischen The Torridon, einem ehemaligen Jagdhaus aus dem 19. Jahrhundert, treffen Scones mit Clotted Cream und hausgemachter Konfitüre auf die Silhouetten der Highlands; die Torridon-Mischung wird eigens für das Haus komponiert.
Weiter südlich, im toskanischen Pieve Aldina in Radda in Chianti, heisst der Nachmittag schlicht la merenda und setzt sich im Sommer am Pool fort, mit grosszügigen Scheiben frischer Wassermelone. Im Riad Fès wiederum ist der Minztee an keine Uhrzeit gebunden: aus der Höhe eingeschenkt, damit er Luft bekommt, ist er vor allem eine Geste des Willkommens. Und in Sri Lanka führen die Ceylon Tea Trails mitten in aktive Teeplantagen – vom Teefeld bis in die Tasse, entlang einer Geschichte, die bis 1867 zurückreicht.
Crans-Montana als Ziel für eine langsame Auszeit
So weit die Wege auch führen, das Naheliegende bleibt eindrücklich. Crans-Montana verbindet die Weite der Walliser Höhen mit der Ruhe eines Nachmittags, der nichts erzwingt. Wer die Auszeit lieber im Gleiten verbringt, findet ähnliche Entschleunigung auf einer Flusskreuzfahrt auf dem Rhein – die Teestunde aber ist hier kein Programmpunkt zwischen zwei Terminen, sondern der Grund, überhaupt anzureisen: erst die Höhenluft entlang der Bisse du Ro, dann das Innehalten mit Blick auf die Gipfel.
Eine Stunde, die den ganzen Tag verändert
Am Ende braucht es keine weite Reise, um zu verstehen, worum es geht. Der Afternoon Tea in der Schweiz – so, wie ihn Crans-Montana zwischen Bisse du Ro und Alpenpanorama inszeniert – erinnert daran, dass Genuss oft eine Frage des Tempos ist. Wer die Stunde bewusst setzt, nimmt mehr mit als Patisserie und Champagner: das seltene Gefühl, dass für einen Moment tatsächlich alles stillsteht.



