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VOLTA ART FAIRS – DAS GEHEIMNIS DER KUNSTMESSE

Aktualisiert: 29. Mai


Kerstin Herd betreut als ausgebildete Kunst- und Eventmanagerin den Marketingbereich der neu organisierten VOLTA Messen. Francesca Starling verstärkt mit ihrer langjährigen Erfahrung im operativen Management von Kunstmessen das Team. Im Gespräch mit BaslerIN thematisieren sie die Bedeutung des Standorts Basel im internationalen Kunstgeschäft.


Foto: Tim Lüdin



Von Ulrike Zophoniasson


Die Kunstmesse VOLTA entstand 2005 im Kielwasser der Art Basel. Seit 2019 gehört sie zu Ramsay Fairs aus London, die aktuell 16 Messen in 12 Ländern betreiben. Leiter der VOLTA Art Fairs in New York und Basel ist Kamiar Maleki, Sammler, Kurator, Direktor mit persischen Wurzeln, aufgewachsen in Mitteleuropa und auf allen Kontinenten aktiv. Kerstin Herd betreut diese Messen von Frankfurt am Main aus, Francesca Starling lebt und arbeitet in London: Der Kunsthandel ist ein wahrhaft weltumfassendes Geschäft.

Wie wichtig ist für einen so internationalen Betrieb der Standort? Kerstin Herd: Der Kunstmarkt ist eine der traditionsreichsten und gleichzeitig dynamischsten Branchen der Kultur. Kaum ein Markt zeigt so häufig neue Richtungen auf und passt sich so schnell an neue Gegebenheiten an. Als Messe für zeitgenössische Kunst ist es unsere Aufgabe, auf die neuesten Trends und Entwicklungen zu reagieren und sie zugänglich und nahbar zu machen. Der Standort ist dabei elementar. Wenn zur gleichen Zeit an einem Ort die wichtigsten Vertreterinnen und Vertreter der Kunstwelt zusammentreffen, werden Trends manifestiert und wird die Kunstgeschichte von morgen geschrieben.

Warum Basel? Kerstin Herd: VOLTA wurde von den Galeristen Kavi Gupta aus Chicago, Friedrich Loock aus Berlin und Ulrich Voges aus Frankfurt am Main gegründet. Damals gab es neben der Art Basel nur die Kunstmesse Liste, bei der Galerien ausstellen durften, die vor nicht mehr als fünf Jahren gegründet wurden. VOLTA bot jüngeren und mittelständischen Galerien eine Plattform, die ihnen die Teilnahme am Kunstmarktgeschehen ermöglichte. Basel als wichtigster Kunstmessestandort spielte damals wie heute eine zentrale Rolle.

Wie abhängig ist VOLTA von der Art und vom Standort Basel? Francesca Starling: Art Basel ist die wichtigste internationale Messe für zeitgenössische Kunst. Sammlerinnen, Kuratoren, Galeristinnen und Kunstschaffende aus der ganzen Welt kommen im Juni nach Basel und verwandeln die Stadt in eine Kunstmetropole. Art Basel ist in den vergan- genen 42 Jahren zu dem geworden, was es ist, weil es dieser Stadt und ihrer Bewohnerschaft bewusst ist, wie wichtig Kunst und Kultur sind – für sie persönlich und für die Stadt insgesamt. Die Art Basel ist für VOLTA ein Katalysator und damit von grosser Bedeutung. Wir schwimmen in ihrem Kielwasser, was Publikum und Frequenz betrifft, haben aber inhaltlich ein sehr eigenständiges Profil. VOLTA ist in der Kunstmesseszene in Basel etabliert und synergetisch mit der Stadt Basel verbunden.


Könnte – oder möchte – VOLTA ohne das Messeflaggschiff Art in Basel bleiben? Kerstin Herd: Einer von Kamiars Leitsätzen ist: «Think global, act local.» VOLTA profitiert von den internationalen Gästen, die zur Art Basel anreisen. Zugleich haben wir zusammen mit un- seren Ausstellern in den letzten 17 Jahren ein treues Schweizer Publikum etabliert – aus Basel bis zur Region Zürich und Genf. Hinzu kommen Besucherinnen und Besucher aus Deutschland, Frankreich, Österreich und Italien. Basel wird der wichtigste Standort für die MCH Group bleiben. Dennoch könnte VOLTA, gemeinsam mit den anderen Nebenmessen in Basel, heute auch ohne die Art Basel weiter existieren. Wir sind hier mit VOLTA gefestigt und darauf könnten wir unter einer Neuausrichtung aufbauen.

Heisst: Basel profitiert von VOLTA und umgekehrt? Francesca Starling: Auf jeden Fall. Wir sehen VOLTA als Gefüge eines lokalen und internationalen Fundaments. An unserer diesjährigen Messe im Juni sind Galerien aus 25 verschiedenen Ländern vertreten, darunter einige, die sonst nicht in Basel vertreten wären. Viele von ihnen bringen ihre Gäste nach Basel, um die Messe und die Stadt zugleich zu entdecken. Acht Galerien unserer 69 Aussteller sind aus der Schweiz, drei davon direkt aus Basel. Schweizer Galerien sind mit einem Anteil von mehr als zehn Prozent vertreten. An der VOLTA machen wir lokale Galerien und hiesige Kunstschaffende einem internationalen Publikum zugänglich. Und was die Arbeit hinter den Kulissen betrifft, arbeiten wir mit vielen lokalen Partnern und Dienstleistern zusammen, mit Transportunternehmen, Standbauern, Security-Spezialisten, Druckereien, Reinigungsfirmen, Hotels, Restaurants. VOLTA hat sich in den 17 Jahren in Basel etabliert und spätestens in der Pandemie ist deutlich geworden, wie stark Dienstleistungsfirmen mit der Event-Industrie verbunden sind. Ohne die Unterstützung der Basler Unternehmen vor Ort könnten wir das, was wir tun, nicht tun.


Apropos Pandemie: Konnte VOLTA diese Zwangspause nutzen und wenn ja, wie? Kerstin Herd: Wir haben in den letzten zwei Jahren sehr viel Mühe in VOLTA gesteckt und uns neu positioniert. Kamiar ist unheimlich viel gereist, hat Messen und Galerien in Kopenhagen, Wien, Madrid, Budapest, Abu Dhabi, Dubai, Mexiko, New York und Miami besucht, um neue Aussteller und Talente zu finden. Das Ergebnis wird im Juni auf der VOLTA in Basel zu sehen sein: Wir präsentieren Galerien aus 25 Ländern – die Messe war noch nie so international auf- gestellt. VOLTA wird das erste Mal die Kulturregion Saudi-Arabien in den Mittelpunkt stellen. Zusammen mit der ATHR Foundation und einem lokalen Kurator werden Arbeiten von Kunst- schaffenden gezeigt, die bisher noch nicht von einer Galerie vertreten waren und erstmals in Europa zu sehen sind. Francesca Starling: Wir versuchen immer wieder die Kunstmesselandschaft herauszufordern und über den Tellerrand zu blicken. So sind auch NFTs (ein digitales Gut, das ausschliesslich im digitalen Universum existiert) ein fester Bestandteil der präsentierten Medien. Und wir haben auch ganz junge Galerien mit dabei wie ARTPOWHER Contemporary aus Zürich, die sich 2020 gegründet hat, zum zweiten Mal an der VOLTA dabei ist und den Fokus auf weibliche und nicht-binäre Kunstschaffende legt. Und auch die Pariser Galerie ARTDIB, die sogar erst seit 2021 besteht und ihre erste internationale Messeteilnahme überhaupt hat. VOLTAs Grundpfeiler sind Discover, Connect, Collect – Entdecken, Verbinden, Sammeln – und dies soll in jeder neuen Messeedition sichtbar werden. Wir verschieben die Grenzen dessen, was als Norm für eine Messe gilt, zeigen, was frisch und originell ist. Wir möchten ein Gesamterlebnis für unser Publikum schaffen, es jedes Jahr aufs Neue begeistern.

Kennen Sie den Messestandort Basel beide persönlich? Francesca Starling: Mein erster Besuch in Basel war vor ein paar Jahren im Hochsommer im Juli. Ich wusste sofort, dass ich die Stadt lieben würde. Den Vormittag verbrachte ich in Meetings und nachmittags hatte ich Zeit, die Stadt zu entdecken. Ein Spaziergang am Rhein, durch die Basler Altstadt, ein Besuch im Garten der Fondation Beyeler – eine willkommene Abkühlung an diesem heissen Tag. Seitdem war ich mehrmals hier und liebe den Geist und die Geschichte der Stadt, das Nebeneinander von Alt und Neu und das Gefühl, dass alle ein gemeinsames Ziel vereint: Basel zu einer grosssartigen Stadt zu machen, für Touristen wie Einheimische. Kerstin Herd: Seit Juni 2010 bin ich jedes Jahr für mehrere Wochen im Juni zur Messe in Ba- sel und auch regelmässig ausserhalb des Messetrubels. Es ist spannend zu sehen, wie sich die Stadt im Juni verändert und zur Bühne der Kunst wird. Insbesondere, wenn mit der Kunst auch das Sommergefühl in die Stadt einzieht und man den Abend nach einem langen Messe- tag am Rhein ausklingen lassen kann. Aber Basel hat auch ausserhalb der Art-Woche so viel Kultur zu bieten – das vergessen viele, die nur zur Art kommen. Es gibt eine unheimliche Vielzahl von Museen und eine hohe Dichte an Ausstellungen namhafter Vertreterinnen und Vertreter der modernen und zeitgenössischen Kunst. Eines meiner Lieblingsmuseen ist das Tinguely Museum, das die Arbeiten von Jean Tinguely immer wieder in Bezug zu Werken zeitgenössischer Strömungen setzt.



VERLOSUNG

Wir verlosen exklusiv für unsere Mitglieder zehn Tickets für die VOLTA. Anmeldeschluss ist der 10. Juni 2022. Anmeldung unter redaktion@basler-in.ch mit dem Kennwort: VOLTA