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IM GESPRÄCH MIT VANESSA HARTOG

Aktualisiert: Feb 24

Sie ist erfolgreiches Basler Model und gewissenhafte Gymnasiastin zugleich. Die bald 19-Jährige spricht mit BaslerIN über Castings und Prüfungen, neu gefundenes Selbstbewusstsein und ihre Vorbilder von der Mutter bis zum Modezar.


Von Michèle Faller

Ein 17-jähriges Mädchen interessiert sich fürs Modeln, meldet sich bei einer Agentur an und ein halbes Jahr später präsentiert sie zum ersten Mal auf dem Laufsteg Kleider-kollektionen — an einer Chanel-Modeschau unter der Leitung von Karl Lagerfeld in der Hamburger Elbphilharmonie. Das klingt ein bisschen wie ein Märchen, ist aber real. Genauso real wie die grossgewachsene junge Frau, die freundlich lächelnd dasitzt. Sie heisst Vanessa Hartog, kommt aus Basel und erzählt mit ansteckender Begeisterung von ihrem Job.

Und zwar in sehr schönem Hochdeutsch. Sie ist in Basel geboren, verbrachte die ersten zehn Jahre ihres Lebens hier, zog mit ihrer Familie nach Warschau und kam als 15-Jährige wieder zurück ans Rheinknie. Baseldeutsch habe sie früher gesprochen, es aber verlernt, sagt sie etwas verlegen, denn bei ihr zu Hause — die Mutter stammt aus Polen, der Vater aus Holland — wird seit eh und je Hochdeutsch gesprochen. «Im Ausland bin ich aber für alle die Schweizerin.»



Beeindruckender Karl Lagerfeld

Und dort war sie oft in den letzten anderthalb Jahren. Denn für die grossen Namen wie Valentino, Dior und Chanel ist Vanessa Hartog regelmässig auf Modeschauen zu sehen – vornehmlich in den Schulferien, denn das erfolgreiche Model, das im November seinen 19. Geburtstag feiert, besucht noch das Gymnasium. Bereits als 12-Jährige wurde sie erstmals in Warschau von einem Modelscout angesprochen, was angesichts ihrer natürlichen Eleganz nicht erstaunt. Darüber, dass sie sich so schnell in Mailand und Paris wiederfand, schüttelt sie immer noch ungläubig lachend den Kopf: «Bis heute verstehe ich nicht, wie das genau losging, aber ich liebe es!» Dann schwärmt sie von ihrem Agenten, der mittlerweile fast zur Familie gehöre, oder von der allerersten Show, die sie von Chanel bekam. Sie drückt mit der einen Hand auf die Herzgegend, lächelt und sagt: «Das bleibt tief drin.» Ebenso die persönliche Begegnung mit Karl Lagerfeld, der bei jedem Fitting dabei war und dessen «Riesenliebe für die Mode» sie beeindruckt hat. Und sie schwärmt von ihrer Mutter. Sie sei ihr Vorbild — auch wenn das klischeehaft klinge. «Und ich kann nicht mehr ohne sie shoppen gehen!», lacht die junge Frau. Gerne erklärt sie den Leuten, wie das Modeln funktioniert — für manche sei das ja ein richtiger Tabujob. Die erste Agentur, die man habe, sei die Mutteragentur – in ihrem Fall jene von Enzio Maggiore im deutschen Freiburg. Dann brauchte sie Agenturen im Ausland, die sie mit Maggiore vor Ort aussuchte. Wer meint, ab dann seien die Aufträge gesichert gewesen, irrt sich. Wenn eine der vier Pariser Modewochen jährlich ansteht, reist Vanessa Hartog meist zwei Tage vorher an — für die Castings der verschiedenen Modehäuser, von denen sie etwa sechs pro Tag absolviert. Dort läuft sie jeweils ein paar Sekunden. «Wenn du Glück hast, kriegst du ein Fitting.» Dann laufe man eingekleidet vor dem Designer. «Und wenn du nochmals Glück hast, kriegst du die Show.» Das heisst, einmal den Laufsteg hoch und wieder runter — oder zweimal, falls es zwei Looks sind. Das ist so anstrengend, wie es klingt. Nicht körperlich, aber für die Seele, erklärt das junge Model. Man müsse lernen, mit sich selbst auszukommen, und brauche viel Geduld. Zwei Stunden an einem Casting warten, zwölf Stunden allein fliegen oder alleine essen — vor allem in einem Restaurant — sei gewöhnungsbedürftig.



Vom Flughafen direkt zur Schule

Was sagen die Eltern der Gymnasiastin, die wochenweise alleine in eine fremde Stadt verreist? Wieder das herzliche Lachen. «Sie sind meine zweiten Bookers geworden!» Manchmal zögere sie, einen Auftrag anzunehmen, weil eine Prüfung anstehe – und die Eltern fänden dann, sie könne diese doch auch nachholen. «Ich bin froh, dass sie mich unterstützen – und dass die Schule mir das ermöglicht», sagt sie dann wieder in ihrer ruhigen und überlegten Art. Einige Tage im Semester darf sie nämlich fehlen, um ihrer Arbeit nachzugehen. Sie sei vielleicht zu extrem, denn sie nehme nach einer Show schon mal den ersten Flug am Morgen, um in der Schule einen Test zu schreiben, oder sage halt einfach mal Nein. Aber sie ist überzeugt: «Die Schule hat immer Priorität.» So kam es auch, dass sie von Bangkok abgesehen vom Hotelzimmer gar nichts sah. Dafür von Moskau und Dubai richtig viel, ergänzt sie mit leuchtenden Augen. Das Reisen – an Orte, die sie sich nicht hätte träumen lassen – sei für sie etwas vom Schönsten am Modeln. Und die Abwechslung: «Ich geniesse es, von einer Welt in die andere abzutauchen und in beiden coole Freunde zu haben.»



«Man weiss nie, wann es vorbei ist.»

Natürlich ist Basel eher Kultur- als Modestadt, doch sie habe schon ein paarmal ge-staunt, wie cool sich bereits 13-Jährige hier anziehen, sagt Vanessa Hartog. «Das hätte ich mich in dem Alter nicht getraut!» Überhaupt liebe sie es, zu sehen, was die Leute tragen, wie sie Stile vermischen und dass nicht alle gleich aussehen wollen. Kleider habe sie eigentlich schon immer gemocht. Ein altes Foto zeige sogar eine Modeschau, die sie als Kind mit Freunden inszenierte, und ihre Mutter erzähle, dass damals auch die Socken genau zum restlichen Outfit passen mussten. Doch seit sie als Model arbeite, kleide sie sich nochmals ganz anders, denn nun ziehe sie sich nicht mehr nur für sich, sondern auch für andere an. Ausserdem kaufe sie seit der Probe für ihre erste Modeschau ganz anders ein. «Die anderen sahen so cool aus mit ihren bunten Sachen oder ihren Hosen mit Karomustern, dass ich mich in Jeans und T-Shirt richtig unwohl fühlte.» Sie ging also einkaufen, was nicht nur Spass, sondern auch neues Selbstbewusstsein brachte. Gerade im Jugendalter, wo man sowieso unsicher sei, wirke so etwas Wunder. «Ich wünsche allen Jugendlichen, dass sie auch so etwas finden – es müssen ja nicht Kleider sein.» Durch das Modeln sei sie, die eher still und schüchtern war, viel offener geworden. «Ich bin megadankbar, dass ich das jetzt machen kann», stellt sie deshalb immer wieder fest und freut sich jetzt schon, nach dem Schulabschluss in zwei Jahren auszuprobieren, wie es ist, zu keiner coolen Option mehr Nein sagen zu müssen. «Wenn ich bis dahin noch dabei bin», ergänzt die junge Frau lachend und trotzdem nicht im Scherz. «Man weiss in der unsicheren Modewelt nie, wann es vorbei ist.»


Vanessa wurde entdeckt von: Enzio M. Management

Booking für Vanessa: 100% Management

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