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MIT DEM CAMPER AUF NACH SCHWEDEN

Aktualisiert: Feb 24

Ferien (fast) wie anno dazumal ohne TripAdvisor & Co.



Von Rea Elmiger

Der Weg ist das Ziel, heisst es so schön. Noch nie war dieser Spruch treffender als bei unserer letzten Reise. Praktisch nirgends sieht man mehr von der Landschaft, spürt mehr vom Leben der jeweiligen Bewohner als auf einer planlosen Camperreise. Man lässt sich treiben, trifft auf vie-lerlei Orte, von denen sich manche als wahrer Geheimtipp erweisen. Man begegnet vielen interes-santen Menschen aus allen Gegenden dieser Welt und das Beste: Man weiss nie, wo man am nächs-ten Tag aufwachen wird. Genau dieses Spontane haben wir gesucht. Einmal Ferien machen ohne davor endlose Abende auf dem Sofa zu verbringen und dabei auf Airbnb, TripAdvisor oder Expedia zu surfen. Unvorhersehbares statt Perfektio-niertes. Wir nahmen uns also vor, wie ein Kind die Dinge selbst zu entdecken: unbefangen und mit einem Auge fürs Detail. Wir haben einzig eine App heruntergeladen, um vorhandene Stell-, Hafen- und Campingplätze zu orten. Das Zielland sollte Schweden, die Heimat von Pippi Langstrumpf, sein. Wir packten also unsere sieben Sachen, vier Velos und unsere beiden Töchter und fuhren im Morgengrauen los. Wir fuhren durch Deutschland und Dänemark und dann mit der Fähre von Frederikshavn nach Göteborg.



Dort, vor der Küste Schwedens, findet man die berühmten Schären. Die Mischung aus schroffen Felsen, zaghafter Vegetation und roten Häuschen gibt es nirgends ein zweites Mal. An dieser Küste entlang stiessen wir auf viele gemütliche Marinas. Die Atmosphäre an solchen Hafenplätzen ist einzigartig. Segelschiffe, Fischer, Hündeler und Weltenbummler treffen hier aufeinander. Es wird geschwatzt, Tipps gegeben, gemeinsam gegrillt und gelacht. Die schwedischen Stellplätze kosten im Durchschnitt zirka 25 Schweizer Franken und bieten im Allgemeinen eine gute Infrastruktur: angenehme Dusch- und Abwaschmöglichkeiten und oftmals auch Grillplätze zur freien Nutzung. Ausser bei Sehenswürdigkeiten ist es nicht nötig, vorzeitig zu buchen. Dort jedoch muss man nicht nur früh buchen, sondern in puncto Ausstattung, Atmosphäre sowie beim Preis Abstriche machen. Das Check-in erfolgt in der Regel unkompliziert an einem Automaten. Generell sind die Schweden in Sachen Elektronik gut aufgestellt. Ob beim Einchecken (sogar an den abgelegendsten Orten) oder bei der Dame am Marktstand, man zahlt mit der Karte.


Bargeldlos erfolgt auch der Erwerb einer Fischerlizenz. Eine entsprechende App zeigt die Gebiete, in denen es erlaubt ist zu fischen, gibt Informationen zum Fischbestand und zur Gesetzeslage. Das Fischen mögen auch die Kinder, ob am Ufer oder auf einem Fischerboot, abenteuerlich ist es auf jeden Fall. Wir sahen verschiedenste Tiere, aber lange in Erinnerung bleiben werden uns die spontanen menschlichen Begegnungen. Stella, Luca, Anna oder wie sie alle hiessen, waren wunderbare Spielkameraden für unsere Töchter und boten uns Eltern die Möglichkeit, mal unge-stört ein Glas Wein zusammen zu trinken. Schön war es auch auf einer Farm, sozusagen am Ende der Welt. Da schliefen wir zwischen Schafen und Hühnern.


Letztere verwöhnten uns mit ihren frischen Eiern, die wir zum Frühstück spontan mit der Gastfamilie auf deren Terrasse verspeisten. Fazit unserer Reise: Es waren erlebnisreiche drei Wochen. Wegen der guten Infrastruktur der Stell-plätze und den angenehmen Temperaturen ist und bleibt Schweden ein begehrtes Camperland. Einziger Wermutstropfen: der Preis. Obschon wir viel selber kochten, waren diese Ferien unsere teuersten überhaupt.

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