• BASLERIN

KUNST KANN HELFEN, WENN ALLES VERLOREN SCHEINT

Rachel Ougier Simonin war vor fünf Jahren mit ihrer Familie von Paris nach Basel gezogen, um bei einer grossen Pharma-Firma zu arbeiten. Danach lief alles schief, bis sie die Kunstmalerei für sich entdeckte.



Vieles, was sie für selbstverständlich hielt, hat sich verändert: Ihre Ehe ging in die Brüche, seither erzieht sie ihre Tochter allein. «Ich ging von einem Ort, an dem ich mich mit jedem unterhalten konnte, zu einem, wo ich das Vokabular eines Dreijährigen habe. Ich lerne gerade deutsch zu sprechen», sagt sie. Und auch ihren Job verlor sie. Es war ein Job, den sie liebte und an den sie glaubte, mit einem wunderbaren Team.


Also musste Rachel Ougier Simonin sich neu erfinden, um mit all diesen Veränderungen fertig zu werden. Es war ziemlich viel auf einmal und am Anfang hatte sie Panik. Alles, woran sie denken konnte, waren verschiedene Szenarien, in denen alles schief ging und sie am Ende mit ihrer Tochter unter einer Brücke leben würde. «Du bist so dramatisch», sagte einmal ein Freund zu ihr. Das brachte die Pariserin zum Umdenken. Pessimismus war schliesslich nie ihr Ding. Ihr wurde klar, dass sie viele Vorurteile im Kopf hatte. So beispielsweise, dass der Verlust des Arbeitsplatzes der Anfang vom Ende ist. Vielleicht stimmt es, vielleicht aber auch nicht. Warum also die Zukunft nicht in die eigene Hände nehmen? Anstatt darauf zu warten, dass Personalvermittler sie anriefen, entschied sie sich, die Zeit zu nutzen, um ihre Träume zu erfüllen. Bis heute hat sie keine Ahnung, was der Morgen bringen wird, aber seit sie das tut, was sie liebt, kommt sie mit dieser Ungewissheit viel besser zurecht.


Rachel Ougier Simonin hat ihr ganzes Leben lang gemalt: Das Schaffen ist ein starker Teil von ihr. Was sie besonders liebt, ist der magische Moment, in dem nicht mehr sie den Pinsel lenkt, sondern die Farbe sie führt. «Am Ende ist ein Teil meiner Seele darin», erzählt sie.

Sie musste ihre Komfortzone verlassen, um ein künstlerischer Unternehmer zu werden, da sie bisher «nur» ein Angestellter war. Es brauchte zudem viel Mut, sich da draussen zu zeigen, etwas zu riskieren und mit der Kritik, die ihre Kunst auslöst, umgehen zu können. «Ich habe erlebt, wie belastbar ich sein kann und dass es sich lohnt, es immer wieder zu versuchen, wenn man liebt, was man tut. Ich kann den Arabern immer noch keinen Sand verkaufen, aber ich habe entdeckt, dass ich über das sprechen kann, was ich liebe», ist sich Rachel sicher. Sie war selbst überrascht, wie viele Menschen sie erreichen kann, obwohl sie von Natur aus introvertiert ist. Aber auch umgekehrt war es der Fall: Sie hat viele Fremde getroffen, die ihr ihre Herzen und Netzwerke geöffnet haben. Auch hat sie viele Ermutigungen, gute Ratschläge und viele Lacher erhalten. Nur schon deswegen habe sich die Fahrt gelohnt.


Rachel Ougier Simonin weiss nicht, ob sie in Zukunft ihren Lebensunterhalt als abstrakter Maler bestreiten kann. Aber sie weiss, dass sich ihre Einstellung zum Leben für immer geändert hat. «Ich liebe es aufzustehen und einen Tag voller Überraschungen vor mir zu haben, über die guten zu lachen und von den anderen zu lernen! Ein künstlerischer Unternehmer zu sein, hat mich zu einer reicheren und authentischeren Person gemacht», sagt sie zufrieden.

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