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IM DOCK BASEL DARF GESCHNUPPERT WERDEN

Im kultigen Kleinbasler Kunstraum DOCK findet man nicht nur eine Auslese hiesiger Künstlermappen, sondern man kann auch Kunstwerke mieten – oder an Flakons riechen.



Von Tara Hill Mit einer neuen, olfaktorischen Ausstellung vermengt das DOCK Basel Dokumentation und Gerüche aus der hohen Kunst des Parfums.


Beim ersten Blick durchs Schaufenster kommt das DOCK überaus ordentlich daher — als aufgeräumtes Archiv voller sorgsam gestapelter, grauer Boxen mit den Namen regionaler Künstlerinnen und Künstlern, aufgedruckt in alphabetischer Reihenfolge. Tatsächlich ist die Kleinbasler Institution inzwischen aller- dings noch viel mehr als die Dokumentationsstelle zeitgenössischer Basler Kunst, vom Atelier Mondial über Tarek Abu Hageb bis hin zu Christine Zufferey: ein Sammelsurium aktuellen Kunstschaffens, doch gleichzeitig auch deren Netzwerk und Labor.

Seit März steht Ingvild Jervidalo mit ihrem Team nun neu diesem etwas anderen Kunstraum vor — inmitten der ungewissen Corona-Wogen übernahm die 33-jährige Norwegerin die Leitung des DOCK von Ruth Buck, die das Projekt 2009, damals noch im Kaskaden-kondensator des Warteck, initiiert hat. Als Szenografin reizt Jervidalo am DOCK insbesondere das Potenzial einer experimentellen Plattform: «Ich arbeite gerne räumlich und interdisziplinär.» Im Zentrum steht für sie dabei der Netzwerkcharakter des Unterfangens: «DOCK dockt immer wieder an, nicht hierarchisch, sondern im Kollektiv.» Deshalb bleibt die Kleinbasler Kunst-Anlaufstelle für sie trotz all der fein säuberlich sortierten Mappen stets auch Vermittlungsprojekt, Quartiertreffpunkt, ein Ort der Begegnung.

Dass zeitgenössische Kunst nicht hochnäsig oder herablassend auf dem Silbertablett serviert wird, ist Jervidalo wichtig: «Kunst soll zum Menschen kommen — nicht umgekehrt.» Gerne auch vorläufig, und low Budget. Dafür hat das DOCK seit Mai das Pionierprojekt «DOCK Ausleihe» lanciert: Im Online-Katalog stehen seither Dutzende von Werken zur Verfügung, die man vorübergehend für ein geringes Entgelt als Leihgabe erstehen kann — etwa die verschlungenen Körper des malerischen Jungtalents Alex Bleuler (*1988). Auch in olfaktorischer Hinsicht wird zukünftig experimentiert: Die neue Ausstellung «De la lune à la terre» von Maeva Rosset befasst sich mit der Öffnung sensorischer Kanäle. Als Parfum strömt der Duft passend zu den Mondphasen aus 29 Flakons ins DOCK. Im Gegensatz zum geordneten Archiv an den Wänden entsteht dabei in Auseinandersetzung mit dem Mythos Parfum ein sinnliches Potpourri, das den Besuchern unversehens in die Nase steigt, sie entrückt und verführt.

ÖFFNUNGSZEITEN Montag bis Mittwoch, 13.30-18.30 Uhr.

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