Hauterneuerung im Herbst: Warum gute Hautpflege mit der richtigen Abtragung beginnt

Nach dem Sommer braucht die Haut eine gezielte Abtragung überschüssiger Hornzellen. Dieser Beitrag erklärt Säure-, Enzym-, Mikrodermabrasion- und Kräuterpeelings und zeigt, welches Verfahren zu welchem Hautbild passt.

Säurepeelings – kontrollierte Erneuerung der Hautoberfläche
Chemische Peelings gehören zu den klassischen Methoden, um die Hauterneuerung gezielt anzuregen. Je nach Hautzustand und gewünschtem Effekt kommen unterschiedliche Säuren beziehungsweise Säurekombinationen zum Einsatz.
Fruchtsäuren wie Glykol- oder Milchsäure können dabei helfen, abgestorbene Hornzellen zu lösen und die Haut glatter und gleichmässiger erscheinen zu lassen. Salicylsäure wird besonders häufig bei unreiner, zu Verhornungen neigender Haut eingesetzt, während andere Peelingkonzepte stärker auf Pigmentierungen oder Zeichen der Hautalterung ausgerichtet sind.
Entscheidend ist jedoch nicht nur die verwendete Säure. Konzentration, pH-Wert, Einwirkzeit und der aktuelle Hautzustand bestimmen, wie intensiv ein Peeling wirkt. Deshalb bedeutet «stärker» keineswegs automatisch «besser». Eine professionelle Hautbeurteilung ist entscheidend, damit ein Peeling zur jeweiligen Haut passt und die Hautbarriere nicht unnötig belastet wird.
Enzympeelings – die sanftere Alternative
Nicht jede Haut benötigt oder verträgt ein intensiveres Säurepeeling. Enzympeelings arbeiten deutlich sanfter und lösen oberflächliche Verhornungen ohne mechanisches Reiben. Gerade bei sensibler, dünner oder reaktiver Haut können sie eine gute Möglichkeit sein, das Hautbild zu verfeinern und die Haut optimal auf nachfolgende Wirkstoffe vorzubereiten.
Diese Peelings lassen sich, je nach Produkt und Hautzustand, teilweise auch gut in die Heimpflege integrieren. Wichtig ist dabei ebenfalls, die Anwendung auf die Haut abzustimmen und nicht wahllos verschiedene Peelings miteinander zu kombinieren.
Mikrodermabrasion – Kristall oder Diamant?
Eine weitere bewährte Methode zur kontrollierten Abtragung der obersten Hautschichten ist die Mikrodermabrasion. Dabei wird die Haut mechanisch und sehr kontrolliert von überschüssigen Hornzellen befreit. Grundsätzlich unterscheidet man vor allem zwischen Kristall- und Diamant-Mikrodermabrasion.
Bei der Kristall-Mikrodermabrasion werden feinste Kristalle – vereinfacht gesagt eine Art sehr feiner «Sand» – auf die Haut geleitet und zusammen mit den gelösten Hautschüppchen wieder abgesaugt. Die Intensität lässt sich individuell einstellen. Bei der Diamant-Mikrodermabrasion erfolgt die Abtragung dagegen über spezielle diamantbeschichtete Aufsätze, die direkt über die Haut geführt werden.
Beide Methoden verfolgen ein ähnliches Ziel: Die oberste verhornte Hautschicht wird kontrolliert reduziert, die Hautoberfläche wirkt glatter und nachfolgende Wirkstoffe können besser aufgenommen werden. Welche Variante sinnvoller ist, hängt vom jeweiligen Hautbild, von der Empfindlichkeit der Haut und vom Behandlungsziel ab.
Kräuterpeelings – intensive Impulse für die Hauterneuerung
Eine weitere Möglichkeit stellen Kräuterpeelings dar. Hier kommen spezielle Kräutermischungen zum Einsatz, die in die Haut eingearbeitet werden und je nach Intensität eine stärkere Regenerationsreaktion auslösen können. Die Haut kann sich in den folgenden Tagen sichtbar erneuern und, abhängig vom verwendeten System, auch schälen.
Kräuterpeelings können besonders bei grober Hautstruktur, Unreinheiten, Pigmentverschiebungen oder einem insgesamt regenerationsbedürftigen Hautbild interessant sein. Sie gehören allerdings nicht in jede Jahreszeit und nicht zu jedem Hautzustand. Auch hier ist eine professionelle Einschätzung wichtig.
Nicht jede Haut braucht die gleiche Abtragung
Der entscheidende Punkt ist: Peeling ist nicht gleich Peeling. Eine sensible trockene Haut benötigt einen völlig anderen Ansatz als eine robuste, sonnenbedingt verdickte oder zu Unreinheiten neigende Haut. Auch Pigmentierungen, Rosazea, Entzündungen oder eine geschädigte Hautbarriere müssen bei der Wahl der Methode berücksichtigt werden.
Manchmal reicht ein sanftes Enzympeeling. Bei einer anderen Haut kann eine Mikrodermabrasion sinnvoll sein. Wieder andere Hautbilder profitieren stärker von einem gezielten Säure- oder Kräuterpeeling. Auch Kombinationen können sinnvoll sein, vorausgesetzt, sie werden kontrolliert und aufeinander abgestimmt eingesetzt.
Erst abtragen – dann aufbauen
Besonders spannend wird es, wenn die kontrollierte Abtragung mit einer anschliessenden Versorgung der Haut kombiniert wird. Denn nachdem überschüssige Hornzellen entfernt wurden, ist die Haut besonders aufnahmefähig für ausgewählte Wirkstoffe. Je nach Hautziel können beispielsweise Hyaluronsäure, Antioxidantien, Peptide, Vitamine oder andere regenerierende Wirkstoffe zum Einsatz kommen. Diese können klassisch aufgetragen oder mit modernen Verfahren gezielter in die Haut eingebracht werden.
Genau hier beginnt der nächste wichtige Bereich moderner Hautbehandlung: Wie kommen Wirkstoffe eigentlich dorthin, wo sie wirken sollen? Denn ein hochwertiger Wirkstoff allein garantiert noch nicht, dass er auch in ausreichender Menge in die Haut gelangt. Es gibt heute zahlreiche Möglichkeiten der Wirkstoffeinschleusung, von Ultraschall und Elektroporation über nadelfreie Infusionsverfahren bis hin zu Microneedling. Genau davon handelt der nächste Teil dieser Serie.
Hauterneuerung im Herbst: warum der Zeitpunkt ideal ist
Der Herbst eignet sich besonders gut für viele regenerierende Hautbehandlungen. Die intensive UV-Belastung des Sommers nimmt ab; gleichzeitig ist die Haut häufig bereit für einen gezielten Neustart. Jetzt kann es sinnvoll sein, zunächst die über den Sommer entstandene Verhornung zu reduzieren, Feuchtigkeit und Wirkstoffe wieder gezielter zuzuführen und anschliessend, je nach Hautzustand, mit regenerierenden oder kollagenstimulierenden Verfahren weiterzuarbeiten.
Dabei gilt jedoch immer: Nicht die einzelne Methode entscheidet über ein gutes Ergebnis, sondern ein sinnvoll aufgebautes Behandlungskonzept. Moderne Kosmetik bedeutet deshalb nicht, möglichst viele Technologien gleichzeitig einzusetzen. Viel wichtiger ist es zu verstehen, was die Haut im jeweiligen Moment tatsächlich benötigt, und in welcher Reihenfolge.
Die BaslerIN Haut-Serie im Überblick
In den kommenden Ausgaben blickt die Serie noch genauer hinter die Kulissen moderner Hautbehandlungen.
Teil 1 – Abtragen und Hauterneuerung: Warum die Haut nach dem Sommer häufig zunächst von überschüssigen Hornzellen befreit werden sollte. Säurepeelings, Enzympeelings, Mikrodermabrasion und Kräuterpeelings im Vergleich.
Teil 2 – Wirkstoffe: Cremes, Seren und Ampullen enthalten heute hochentwickelte Wirkstoffe. Aber wie weit können diese tatsächlich in die Haut eindringen? Ein Blick auf unterschiedliche Einschleusungsverfahren und darauf, wann welche Methode sinnvoll sein kann.
Teil 3 – Hauterneuerung und Kollagenstimulation: Microneedling, Radiofrequenz-Needling und andere stimulierende Verfahren sollen die Haut dazu anregen, selbst wieder aktiver zu werden. Doch worin unterscheiden sich die Methoden und für wen eignen sie sich?
Teil 4 – Straffung und Lifting ohne Operation: Von Radiofrequenz über Wärmeverfahren bis hin zu modernen Technologien zur Straffung der Haut. Welche Prinzipien stecken dahinter und wo liegen die Grenzen nichtoperativer Methoden?
Teil 5 – Beauty-Trends: Neue Geräte, neue Wirkstoffe und immer neue Social-Media-Trends. Was hat eine nachvollziehbare Grundlage, was kann sinnvoll sein und wo lohnt sich ein kritischer Blick?
Teil 6 – Schönheit von innen: Kollagen, Antioxidantien, Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel werden zunehmend auch im Zusammenhang mit Hautalterung diskutiert. Welche Rolle können sie tatsächlich spielen?
Teil 7 – Beauty ohne Nadeln: Nicht jede Frau möchte invasive Behandlungen. Welche Möglichkeiten gibt es heute für alle, die ihre Haut verbessern möchten, aber bewusst auf Nadeln verzichten wollen?
Teil 8 – Die Hautbarriere: Sie ist einer der wichtigsten Faktoren für eine gesunde Haut und wird dennoch häufig unterschätzt. Warum zu viel Pflege, zu häufiges Peelen oder ungeeignete Produkte die Haut aus dem Gleichgewicht bringen können?
Teil 9 – Wirkstoffe in der täglichen Hautpflege: Retinol, Vitamin C, Niacinamid, Peptide, Hyaluronsäure und Co. Welche Wirkstoffe sind sinnvoll, wie kombiniert man sie und warum muss eine gute Pflegeroutine nicht aus zehn verschiedenen Produkten bestehen?
Petra Geiger ist Expertin für moderne Hautpflege, apparative Kosmetik und ganzheitliche Hautkonzepte. Seit über 20 Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit professionellen Behandlungsmethoden, Wirkstoffen und innovativen Technologien im Bereich Hautgesundheit und Ästhetik.
Sie ist Gründerin von Aesthetics Dreiland in Deutschland, der Skinboutique Basel sowie der professionellen Hautpflegemarke Skin Effects+. Dabei verbindet sie langjährige Praxiserfahrung mit fundiertem Wissen über Wirkstoffe, Hautbedürfnisse und moderne Behandlungskonzepte. Ihr Fokus liegt auf wissenschaftlich orientierten, sinnvoll kombinierten Methoden und einer ehrlichen, individuellen Beratung.



