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EINTAUCHEN IN DIE WELT DER INDISCHEN BAODIS

Aktualisiert: Feb 24

Renate Buser BAODI bis 19. Oktober 2019

Die Galerie Gisèle Linder präsentiert eine Foto-Ausstellung über indische Stufenbrunnen der Künstlerin Renate Buser.

Die Bedeutung von Wasser findet wohl nirgends auf so erstaunliche Weise Ausdruck wie in den indischen Stufenbrunnen. Seit Jahrhunderten erstellen die Bewohner der ariden Regionen im Westen Indiens zum Fassen und Aufbewahren des Monsunregens unterirdische Bauten. Architektonische Meisterwerke, die nebst dem realen ebenso den symbolischen Wert des Wassers verdeutlichen. Je nach Lage und Bodenbeschaffenheit entstehen unterschiedliche Formen und baustatische Typologien; die Religion und der soziale Status der Erbauer bestimmen die dekorativen Gestaltungselemente. Allen Stufenbrunnen sind die inszenierten, steilen Treppenanlagen gemeinsam.


Renate Buser hat Anfang dieses Jahres während acht Wochen Baodis in Gujarat und Rajasthan fotografisch erforscht. Die Ausstellung in der Galerie Gisèle Linder zeigt nun eine Auswahl Arbeiten, die auf dieser Reise entstanden sind. Ihrer bevorzugten Arbeitstechnik treu, hat die Künstlerin mit einer analogen Grossbildkamera gearbeitet, die höchste Präzision und Bildschärfe erlaubt. Im Grossformat direkt auf die Wand installiert oder kleiner, auf von der Wand abstehenden Platten aufgezogen, sind alle Aufnahmen auf Wallpaper Sihl gedruckt. Die matte Haptik des Materials lässt die Oberflächenstruktur der originalen Steinbauten fast real erscheinen. Die Ausstellung besteht mehrheitlich aus Schwarz-Weiss-Aufnahmen; sogar die wenigen Farbfotografien sehen durch die grellen Lichtverhältnisse vor Ort wie handkolorierte Bilder aus. Die grafischen Effekte des Schattenspiels auf den Stufen unterstreichen die plastische Dimension der Treppenanlagen. Renate Busers Medium ist die Fotografie. Nur selten beschränkt sich die Künstlerin dabei auf die direkte Wiedergabe des Gesehenen. Meistens werden ihre Fotografien zum «Baumaterial», das in ortsspezifischen installativen Eingriffen neue Räume schafft, und das Dokumentierte in neue Zusammenhänge stellt. So scheinen die Grossformate in der Galerie Gisèle Linder das Hinabsteigen in die Stufenbrunnen zu erlauben, während man durch die rahmenlosen kleineren Formate in die dargestellten Räume eintaucht. Dennoch sind die Bilder weniger als bei Renate Buser üblich abstrahiert oder verformt, denn die Baodis verkörpern an und für sich schon das konzeptuelle Schaffen der Künstlerin. Wie bei ihren Arbeiten thematisieren die Stufenbrunnen die Auflösung der Raumgrenzen und das Umstülpen von Innen- und Aussenraum. Während Renate Busers bisherige Arbeiten uns oft die Materie der Wand als Trennung von Innen und Aussen vergessen lassen, indem sie neue Räume projizieren, so überraschen die Stufenbrunnen durch die Erschliessung unverhoffter, von der Oberfläche aus nicht erahnten, faszinierenden unterirdischen Welten.

Weitere Infos: Galerie Gisèle Linder, Elisabethenstrasse 54, 4051 Basel

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