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EDWARD HOPPER

Aktualisiert: März 14

Edward Hopper (1882–1967) ist der Meister der frühen amerikanischen Moderne. Kein anderer Maler hat Amerika so eindrücklich dargestellt wie er. Die Fondation Beyeler in Riehen zeigt eine exquisite Schau seines Werks – eine Sensation in einem europäischen Museum.



Von Maria Becker

Eine Frau schaut aus dem Fernster. Es ist früher Morgen, das Licht fällt in das Zimmer des Landhauses und lässt die weisse Holzfassade fast so blau wie den Himmel leuchten. Die Stimmung ist bezaubernd, man spürt die Wärme der Sonne. Das orangerosa Kleid der Frau zeigt, dass es Sommer ist. Was mag sie sehen beim Blick aus dem Fenster? Geniesst sie nur das Licht oder hat sie ein Geräusch aus dem nahen Wald gehört? Wir wissen es nicht. Das Bild lässt es offen. Ob etwas geschehen ist oder nicht, bleibt in der Schwebe. Und doch spüren wir, dass da etwas war.


«Cape Cod morning», 1950 gemalt, gehört zu den berühmten Bildern aus der Spätphase von Edward Hopper. Es ist schön und rätselhaft in einem, so wie die meisten Werke des grossen Malers. Hopper malt Architekturen und Landschaften, in denen Menschen wie Schauspieler auftreten. Aber auch wenn keine Menschen darin vorkommen, herrscht in den Bildszenen eine untergründige Spannung, die an Filmsets der 1940er- und 1950er-Jahre erinnert. Ihre Be- leuchtung und Perspektive sind so komponiert, dass Dramatik entsteht. Viele Regisseure der Zeit liessen sich von Hoppers Bildern anregen. So nahm Alfred Hitchcock das Bild einer Villa zur Vorlage für seinen Film «Psycho».

Es ist bekannt, dass der Maler ein leidenschaftlicher Kinobesucher war. Doch das spürt man auch so. Die Gemälde haben eine hypnotische Wirkung, sie ziehen einen in ihre Stimmung hinein. Genauso wichtig aber wie das Kino war Hopper das Licht. Der Glanz des Morgens und des Mittags, das Halblicht der Abenddämmerung erzeugen magische Szenen. Hopper hat ikonische Bilder von Amerika geschaf- fen. Heute ist er in Europa der bekannteste Maler der klassischen amerikanischen Moderne.


Hopper wird selten in Europa ausgestellt, und der Hauptteil seiner Bilder befindet sich in amerikanischen Museen. Die Ausstellung in der Fondation Beyeler gibt uns die einmalige Möglichkeit, die Werke im Original zu sehen. Der deutsche Regisseur Wim Wenders, der dem Maler ebenfalls viel verdankt, hat einen 3-D-Kurzfilm zur Ausstellung gedreht, den man in einem eigenen Screeningraum sehen kann.


AUSSTELLUNG: Edward Hopper. Fondation Beyeler, bis 17. Mai 2020.


ÖFFNUNGSZEITEN: Montag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr und am Mittwoch von 10 bis 20 Uhr


Weitere Infos: Fondation Beyeler

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