• BASLERIN

DER CHOR DER PFLANZEN

Die Galerie Carzaniga in Basel zeigt in der Ausstellung «Choir of Plants» Werke der Künstlerin Sonja Maria Schobinger.


Anthemis Nobilis Nr. 16, Fragaria vesca, 2021

Pigmentdruck auf Fine Art Papier Hahnemühle Photo Rag

94 x 80 cm

68/1


Sonja Maria Schobinger beschäftigt sich seit ihrem 14. Lebensjahr mit der Pflanzenwelt, indem sie diese in Fotografie festzuhalten versucht. Ihre Arbeiten eröffnen einerseits den Blick auf die ungebändigte Natur, andererseits auf die Schnittstelle zwischen Natur und Kultur. Die Opposition von Natur und Kultur zieht weitere Gegenüberstellungen nach sich, die das Werk bestimmen: Weibliches und Männliches, Unordnung und Ordnung, Analoges und Digitales. Durch gekonnte Inszenierung und eine opulente und fein abgestufte Farbigkeit entfesseln die fotografischen Arbeiten von Sonja Maria Schobinger beim Betrachter unbändige Lust am Schauen und offenbaren beim genaueren Betrachten eine subtile Brisanz.

Die Künstlerin sucht in ihren Fotografien nach einer aktuellen Form des Stilllebens. In spürbarer Auseinandersetzung mit der flämischen Malerei sind in ihren Arrangements Blumen und Zweige in schlichten Gefässen angeordnet und entfalten im Spiel mit dem natürlichen Licht eine zeitlose Monumentalität. Die Spiegelungen von Fensterkreuz und Zimmer auf der Wölbung der Gefässe verorten die Inszenierung in einem raumzeitlichen Gefüge, unterstreichen aber auch die Bedeutung des Lichts für das Sehen im Allgemeinen und für die Technik der Fotografie im Besonderen. In der Gattung des Stilllebens wird der Übergang von Natur und Kultur exemplarisch. Das Leben ist erstarrt, die Blumen sind geschnittenen und stehen in einem Krug, der von Menschenhand geschaffen wurde, um die wilde Natur in vernünftigen Portionen in die zivilisierte Welt zu holen. „So symbolisiert der Krug auf der unteren Hälfte des Bildes die Zivilisation, die Kultur, quasi die Domestizierung des Wilden, während der obere Teil des Bildes die Natur zeigt, das Organische, Lebendige. Der Rand des Kruges, wo die Stängel der Pflanzen auf die Öffnung des Gefässes treffen, markiert eine Schnittstelle, die Verschmelzung von Bewusstsein und Unterbewusstsein.“

Sonja Maria Schobinger versucht die sinnliche und ästhetische Bedeutung sichtbar zu machen, die unentdeckt in ihren Motiven schlummert. Die Sprache und insbesondere die Literatur bil-den dabei eine wichtige Inspirationsquelle. Wichtig sind ihr die Bücher von Siri Hustvedt, Aylet Gundar Goshen oder A. L. Kennedy. In der Auseinandersetzung mit Sprachbildern geht es auch darum, fremde und vertraute Gefühlswelten zu durchleben und für die eigene Arbeit fruchtbar zu machen. Beim Fotografieren von Pflanzen, Blüten und Bäumen, geht es für Sonja Maria Schobinger ums Sichtbarmachen des Aufeinandertreffens scheinbar getrennter Welten. In der Pflanzenfotografie treffen die ungebändigte, organische Natur und die Kultur als vom Menschen erschaffene Ordnung und Technik aufeinander. Zugleich dient die Darstellung der Naturelemente der Künstlerin dazu, metaphysische Gedanken und Zusammenhänge sinnlich erfahrbar zu machen und damit Innen- und Aussenwelt zu verschmelzen. Prozesse wie Entstehung und Zerfall – Phasen des menschli-chen Lebens und jeder Existenz – finden in ihren Arbeiten einen Resonanzraum.


«Choir of Plants» 28.11.2021 - 08.01.2022

Galerie Carzaniga GmbH

Gemsberg 10 CH-4051 Basel

Weitere Informationen: www.carzaniga.ch, www.schobinger.net



Sonja Maria Schobinger


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