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SIE GEBEN DEN DINGEN EINEN RAHMEN

Aktualisiert: Feb 24

Der abwechslungsreiche Beruf der Vergolderin verlangt viel Fingerspitzengefühl.


Von Rea Elmiger

Queen Odametey und Carla Gysin geben den Dingen in ihrem Leben gerne einen Rahmen. Die Vergolderinnen stellen Rahmen nach Mass her und verarbeiten diesen dann so, dass er den Charakter eines jeweiligen Bildes unterstreicht. Beiden gefällt an ihrem Beruf, dass er sehr abwechslungsreich ist: «Jeder Arbeitsschritt ist anders und mit jedem neuen Auftrag gibt es immer wieder kleine und grosse Überraschungen und Herausforderungen. Die Gestaltungsmöglichkeiten, die dieses Handwerk bietet, sind schier endlos.»


Abwechslung zeigt sich auch punkto Material: gearbeitet wird auf Holz, Stuck, Glas, Wand oder Metall, wobei die Oberflächen durch die Auflage verschiedener Blatt­metalle veredelt werden, wie zum Beispiel ein Holzuntergrund mit Polimentvergoldungen. Die Wahl des richtigen Materials ist auch deshalb von Bedeutung, da der Rahmen nicht nur ästhetische Zwecke erfüllt, sondern dem Bild auch Schutz vor Umwelteinflüssen wie Schmutz und Sonnenlicht bietet.

Zu ihrem Traumjob kam die Baslerin Queen eher zufällig. «Anfangs wusste ich nicht, dass es diesen Beruf gibt. Als ich in der Schule für Gestaltung ging, wurde ich von meiner Zeichnungslehrerin auf diesen Beruf aufmerksam gemacht, weil ich geduldig und Feinfühlig war. Im selben Jahr konnte sie auf dem Beruf eine Schnupperlehre bei der Rahmenvirtuosin Silvia Boss machen. Von da an war klar, was sie werden wollte. Und sie hatte Glück, denn die Ausbildungsplätze sind begrenzt.



In der Werkstatt fühlt man sich in die Vergangenheit versetzt. Statt Computer und Smartphones findet man verschiedenste Vergolderwerkzeuge neben farbigen Drucken, Achatsteine zum Polieren, diverse Lösungsmittel, Farben, Pigmente und Leime. «Für ein kleines Rahmenatelier braucht es relativ wenig Maschinen. In unserem Atelier stehen fast keine, ausser eine Gehrungsstanze, ein Akkubohrer und eine Bohrmaschine. Wir grundieren, schleifen und erledigen so ziemlich jeden Arbeitsschritt noch von Hand», erzählt die junge Frau. Es brauche jedoch immer einen Grundstock an Blattgold, Blattsilber und Schlagmetall. Und Zeit. Die sollte nicht zu knapp sein. Jeder Arbeitsschritt dauert und braucht viel Aufmerksamkeit.


Aufmerksamkeit und viel Einfühlungsvermögen bei der Beratung erfahren auch Odameteys und Gysins Kunden. Sie bekommen schliesslich einen Rahmen, der passend auf ihr Bild abgestimmt ist. Ein Einzelstück eben. Es sind meist Privatpersonen, Sammler oder Firmen, die Odameteys und Gysins Arbeit in Anspruch nehmen. Sie alle schätzen die traditionelle Handarbeit, das massgeschneiderte Produkt sowie die individuelle Betreuung sehr. Um dieses traditionelle Handwerk auszuüben braucht man handwerkliches Geschick, eine gute Feinmotorik, Geduld und Ausdauer, Interesse an Kunst und Kunstgeschichte, Kontaktfreude sowie Sinn für Farbe und Form.

Für die Vergolderinnen heisst Erfolg gute Planung bezüglich Zeit und Material. «Es ist auch wichtig, sich zu zeigen, indem man das Handwerk präsentiert — sei es mit einem Tag der offenen Tür oder mit einer Ausstellung.» Auch die Localholics, die urbanen Stadtentdecker, haben Odameteys Atelier für sich entdeckt. «Sie machen immer wieder einen Abstecher bei uns auf ihrer Erlebnistour. Das sind spannende Begegnungen für beide Seiten.»


TAG DER OFFENEN TÜR UND APÉRO

7. Juni 2019, ab 17 Uhr

Rahmenkunst GmbH

Blumenrain 32

4051 Basel

www.rahmenkunstgmbh.ch

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