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ABENTEUER MYSTISCHER ODILIENBERG

Aktualisiert: Feb 24

Das Elsass ist bekannt für seine verträumte Landschaft, schmucken Winzerdörfer und vielen Burgen. Über alldem wacht seit dem 7. Jahrhundert, hoch oben auf dem Mont Saint Odile, die Schutzpatronin des Elsass: die heilige Odilia.


Von Karin Breyer

In grossen Kehren windet sich die Strasse vom malerischen Dorf Barr durch die leuchtend grünen Wälder auf 760 Meter Höhe. Hier, auf diesem lang­gstreckten Bergrücken, ist also das Reich der Odilia, weithin als Pilgerstätte, Ausflugsziel und Ort der Kraft bekannt. Da imponiert zuallererst die mächtige Klosteranlage auf roten Sandsteinfelsen, mit Basilika, Odilias Grab, Tränen- und Engelskapelle — ein geschichtliches und kulturelles Highlight. Bereits die Kelten und Römer haben Spuren hinterlassen. Das Areal mit Hotel, Café, Sonnenterrasse und zuhauf bilderbuchschönen Ecken und Winkeln lädt ausgiebig zum Verweilen und Geniessen.


Fantastisch der Blick in die Ferne, da zeigen sich die Kämme der Vogesen, der Schwarzwald, mittendrin der Rhein und elsässische Dörfer, zuhinterst am Horizont erhebt sich das Strassburger Münster. Allerlei Geschichten ranken sich um den zauberhaften Ort und Odilia (ca. 660—720). Mit ihrem Namen werden viele Heilungen und Wunder verbunden, so soll einer Legende zufolge die Odilienquelle etwas unterhalb des Klosters Augenleiden lindern. Bis heute pilgern Menschen hierhin, benetzen ihre Augen mit dem Wasser oder trinken es und hoffen auf Heilung.


Der Odilienberg ist ein interessantes Wandergebiet. Links und rechts des Klosterportals geht’s runter zu einer Reihe hervorragend beschilderter Wanderwege. Sicher am Geheimnisvollsten ist der Gang entlang der elf Kilometer langen Heidenmauer, die sich um den Berg zieht — ein gigantischer Wall aus grossen, behauenen Steinblöcken, mehr als 300 000 an der Zahl, teils bis zu drei Meter hoch. Bis heute bleibt diese monumentale Mauer ein archäologisches Rätsel. Verschlungene Naturwege führen über weiche Erde und Wurzelgeflecht, unzählige riesige Steine liegen wild verstreut herum, türmen sich auf zu Steintoren und Hütern der Stille. Entlang des Pfades erheben sich immer wieder mächtige Felsen, als wären es lebendige Wesen. Sitzende Philosophen, Bären oder Naturgeister?


Jedenfalls beflügeln sie die Fantasie. Hohe Buchen, Tannen und Birken bilden ein grün schimmerndes Blätterdach, vor Kraft nur so strotzend, irgendwie fühlt man sich im Zauberwald. Wunderschön ist der südliche Rundgang entlang der Mauer und Felswelten, zum Männelstein und weiter zur Druidengrotte mit den zyklopischen Steinen, von dort geht’s zurück zum Parkplatz. Wirklich verwunschen ist der Sentier des Merveilles, der Wunderpfad: Er lockt zu den Felsen der Riesen, an der Etichongrotte und den Tierskulpturen geht’s vorbei; irgendwann entdeckt man mit etwas Glück versteckt im Wald den Feenplatz, ein keltischer Kultplatz mit rätselhaften Schalensteinen.


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