• BASLERIN

TÄNZERISCHER SOG UND TIERISCHE METAMORPHOSEN

Das Theaterfestival Basel gibt einen Einblick ins aktuelle, globale Bühnenschaffen


Encantado I Lia Rodrigues / Companhia de Danças


Gestern wurde das Theaterfestival Basel in dessem Zentrum, einem grossen, pinken Pavillon auf dem Kasernenareal, mit einem Festakt mit Regierungsrätin Stephanie Eymann feierlich eröffnet.

Heute nun wird am Festival bereits ein erster Höhepunkt zu sehen sein: «Encantado»– das bedeutet Enchanté, oder «verzaubert». «Encantados» sind aber auch mystische Wesen aus der afroamerikanischen Kultur, die in der Natur leben. Dschinns also, oder Geister, von brasilianischen Schauspielern und Tänzern aus bescheidenem Hintergrund aus der Favela Mare in bunten Tüchern, in die sich in Rio Obdachlose hüllen, farbenfroh umgesetzt. Bewegungen wandern dabei von Körper zu Körper, Wasser wird zum Tausendfüssler, wird Pilz. Das Tanztheater von Lia Rodrigues will seit 40 Jahren dabei helfen, Grenzen und Barrieren zwischen Menschen abzubauen. Deshalb steht ihre Tanzschule in einer von der Regierung ignorierten Favela. Hier schenkt sie bei den Proben gerne auch selber mal Suppen aus oder verteilt Medikamente. Wer mehr über die Arbeitsweise der vielfach preisgekrönten Regisseurin erfahren will, hat heute dazu Gelegenheit: Nach der Premiere wird sie heute Abend bei «Let’s Talk» in einem Nachgespräch und morgen in einer Masterclass dem Basler Publikum zur Verfügung stehen. (siehe Video, Link unten) «Diese Ausgabe haben wir viel aus Videomaterial ausgewählt, weil wir nicht alle Stücke live sehen konnten» erklärt Katharina Germo, Dramaturgin am ROXY Birsfelden und deutsches Mitglied der sechsköpfigen, internationalen Jury des Festivals rund um Leiter Sandro Lunin: «Schwerpunkt unserer Arbeit sind politische Gegenperspektiven und neue Formen Geschichten zu erzählen.» Was der Programmgruppe dabei auffiel, war die «tiefe Zärtlichkeit», die in den neuen Produktionen liegt: Die stillen und leisen, oft Kammerspielen gleichenden Stücke zeigen von einer neu gefundenen Lockdown-Intimität, mit der nichts desto trotz – auch ohne Spektakel – ein theatralischer, oder tänzerischer Sog aufgebaut werden kann. Nach wie vor präsentiert sich das Festival dabei als bunter Strauss globalen Bühnenschaffens – von der Arbeit mit kognitiv beeinträchtigten Menschen im australischen Stück «The Shadows Whose Prey The Hunter Becomes» (Neues Theater Dornach) über verschiedene Metamorphosen im Kindertheater beim niederländischen Shooting-Star Regisseur Jetse Batelaan in «Das Tier, das Tier und das Tierchen» (Roxy), hin zu Video Vixens, also freizügigen, leicht bekleideten Frauen aus dem MTV-Universum im Ein-Frau-Tanzstück «Jezebel» (ebenfalls im Roxy) und neu zum ersten Mal zeitgenössischem Zirkus im Theater La Coupole in St Louis. Gespräche, Podien, und Einführung für Schulklassen sowie ein öffentlich produzierter Blog des Kulturmagazins Frida vor Ort auf dem Kasernenareal runden das Programm ab.

Detailprogramm unter: www.theaterfestival.ch Festivalzentrum: Pavillon Kasernenareal. Live-Kulturblog des Kulturmagazins Frida. Spielorte: Kaserne, Junges Theater Basel, Roxy Birsfelden, Theater Basel, Neues Theater Dornach, Vorstadttheater und Théâtre La Coupole in St Louis. Bilder und Videos: https://www.theaterfestival.ch/encantado/ https://www.theaterfestival.ch/22_arte-beitrag-lia-rodrigues/