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SKISCHULE JA ODER NEIN?

Aktualisiert: Apr 17

Warum Kinder beim Skifahren mit ausgebildeten Lehrern meistens motivierter sind als mit den eigenen Eltern.



Von Rea Elmiger

Skiferien gehören bei den meisten Schweizer Familien zum Winter dazu. Viele haben sie schon hinter sich, andere sind voller Vorfreude auf die kommenden Tage im Schnee. Dabei werden schon die Jüngsten auf die Bretter gestellt. Eine Frage jedoch spaltet die Nation: Skischule ja oder nein? Was für die einen ein Ort wunderbarer Erlebnisse und Erfahrungen ist, ist für die anderen ein Kinderhütedienst für Eltern, um in Ruhe Skifahren zu können. Nun – wir haben in den Sportferien unsere eigenen Erfahrungen gemacht. Zu Beginn waren wir uns sicher, unseren Mädchen das Skifahren selbst beibringen zu können. Ballett, Schwimmen, Musizieren – bloss nicht noch mehr Kurse, dachte ich mir. Und schon gar nicht in den Ferien. Wir wollten unsere freien Tage ohne Verpflichtungen verbringen. Zudem kann es doch nicht so schwer sein, den Kindern den Stemmbogen beizubringen.


Mein Mann, als ehemaliger J+S-Leiter, freute sich auf die Herausforderung. Also nichts wie los zum Anfängerhügel. Doch schon beim Hochtäppelen zum Zauberteppich zeigte sich Widerstand. «Hiiiilfe, ich rutsche runter!», schrie meine Grosse mit hochrotem Kopf. Geduldig erklärten wir ihr, wie sie ihre Skier halten soll und dass sie sich mit ihren Stöcken abstossen kann. Oben angekommen, hiess es, die Knie leicht beugen, die Skispitzen zusammenführen und langsam von Mama zu Papa fahren. Die Kleine verhedderte sich mit ihren eigenen Skiern, während unsere 8-Jährige schnurstracks und unkontrolliert den Hügel hinunterdonnerte. «Breeemsen!», schrie mein Mann. Dann, nach gefühlten zehn Minuten und fünfmal umfallen, war dicke Luft. Unser Kindsgi-Kind warf sich zu Boden und weinte. «Das kann ich nicht. Ich will nicht mehr Skifahren!», protestierte auch die Grosse. So ging es den ganzen Tag weiter. Ratlos standen wir Erwachsenen da und schielten zum Nachbarhang, auf dem kleine Kinder eins nach dem anderen wie Pinguine der Reihe nach die Piste hinunterfuhren. «Schön Pizza machen», rief der Lehrer und alle machten fröhlich mit.


Am nächsten Tag meldeten wir unsere Mädchen in der Skischule an. Bereits die witzige Begrüssung durch den Maskottchen Snowli sorgte für ein Lächeln auf den Lippen unserer Skiverweigerer. In der Skischule werden Bewegungsabläufe spielerisch eingeübt. Dies hilft den Kindern nicht nur beim Lernen, sondern nimmt ihnen die Angst vor dem Unbekannten und macht Spass. Die Skilehrer passen ihr Programm genau auf die Bedürfnisse der Teilnehmer an. Während sie mit einigen bereits das Slalomfahren üben, rutschen sie mit den anderen im Schneepflug langsam den Hang hinunter. Und da sie sich gleichzeitig auf mehrere Kinder konzentrieren müssen, lernen diese sich bei kleineren Problemen irgendwie selber weiterzuhelfen. Anstatt wie gewohnt loszuheulen, müssen sie Strategien entwickeln, um mit der Gruppe mithalten zu können. Es wäre laut meiner Zweitklässlerin auch «mega peinlich» vor den anderen Schülern eine Szene zu machen. In der Gruppe können sich die Kinder zudem gegenseitig motivieren und von einander Bewegungs-abläufe, die sie noch nicht beherrschen, abschauen. Auch mal über den eigenen Schatten zu springen, indem man beispielsweise beim Skirennen am Schluss des Kurses mitmacht, macht die Kinder zudem stolz und selbstsicher.


Fazit: Es spielt keine Rolle, wie Kinder die Schneesportart erlernen. Wichtig ist nur, dass sie die Technik so gut beherrschen, dass sie sich und andere auf der Piste nicht gefährden. Ob Selbstunterricht oder Skischule, in erster Linie hängt es vom Kind ab. Will es unbedingt mit anderen Kindern gemeinsam das Skifahren erlernen oder weigert es sich, in die Skischule zu gehen. Wenn man die Wünsche der Kinder ignoriert, ist Misserfolg vorprogrammiert. Vorteil beim Selbstunterricht ist, dass Eltern individueller auf ihre Kinder eingehen können. Auch ist diese Unterrichtsform kostengünstiger und bleibt ein Erlebnis für die ganze Familie. Wenn die Eltern über ausreichende Erfahrung, pädagogisches Geschick und viel Geduld verfügen, kann dieser Weg eine gute Option darstellen. Ein Pluspunkt für die Skischule hingegen sind der Spassfaktor und die Kameraden. Unter professioneller Leitung lernen die Kinder die Kniffe des Skisports kennen. Aufgeben geht da nicht. Durch die Gruppen-dynamik verwandeln sich sogar Skimuffel zu echten Pistenhäschen. Den Snowli freuts.



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