• BASLERIN

KÖNIGIN DER HERZEN IM GARE DU NORD

Mit «Queen of Hearts» widmen sich der Berliner Regisseur Benjamin van Bebber (Libretto) und Jannik Giger, Basler Künstler und Senkrechtstarter, dem ikonischen BBC-Interview von Martin Bashir mit Diana, der Princess of Wales.



Text: Tara Hill

Die Queen ist tot, es lebe die Queen! Im Jahr 2022 verliess uns nach fast einem Jahrhundert die Königin von England, die wohl mächtigste und berühmteste Frau dieser Erde. Auch wenn vielen das Staatsbegräbnis noch in lebhafter Erinnerung sein dürfte, scheint es unmöglich, diese feierliche Abdankung mit dem viel tumultartigeren, emotionalen Abschied von Lady Di zu vergleichen. Im Jahr 1997 starb Diana Spencer, Ex-Frau des nun heute amtierenden König Charles und damals Princess of Wales, gemeinsam mit ihrem Lover Dodi Al-Fayed bei einem tragischen Autounfall, einem Crash der dunklen Limousine in eine Tunnelwand in Paris.


Die Ereignisse rund um diesen furchtbaren Schicksalsschlag für die Krone, die auch im Film «The Crown» festgehalten werden (Queen-Darstellerin Helen Mirren erhielt für ihre Darstellung von Elisabeth II. einen Oscar) haben nun auch das künstlerische Leitungsteam des Gare Du Nord zu einer aussergewöhnlichen Premiere animiert.


Mit der Produktion von «Queen of Hearts» widmen der Berliner Regisseur Benjamin van Bebber (Libretto) und Jannik Giger, Basler Künstler und Senkrechtstarter, der den Kompositionsauftrag für den Gare du Nord übernommen hat, sich dem inzwischen legendären Skandal-Interview mit Lady Diana von Martin Bashir, das kurz vor dem Unglück ausgestrahlt wurde. Auch 23 Jahre nach der schrecklichen Tragödie, bei der die Prinzen William und Harry ihre Mutter verloren, und zwei Jahre nach einer Neuauflage eines Skandal-TV-Interviews durch Harry und dessen Frau Meghan Markle bleibt das Thema aktuell: Es geht um das Unausgesprochene, das Zeitgenössische an diesem aktuellen Diskurs, sagt van Bebber, der bereits seit drei, vier Jahren an dieser Geschichte dran ist.


In 90 Minuten widmet sich das Künstlerteam, zu dem wie immer auch die Ausnahmesopranistin Sarah Maria Sun gehört, deren Stimme im Zentrum des Abends steht, den komplexen Verhältnissen um Medienmacht und Selbstermächtigung, Öffentlichkeit und Privatheit, Poli- und Emotainment und all dies einem zeitgenössischen, feministischen Blickwinkel auf das Ausgangsmaterial. Im Gespräch mit der BaslerIN betont das Quartett bei einem Probenbesuch, wie intensiv sie sich auf die brandaktuelle Debatte vorbereitet haben:


Der Mythos Diana bleibt symbolisch für den systematischen Racheakt, der einen erwartet, wenn frau die Stimme erhebt. «Nein, eine Hommage ist es nicht», betont Sarah Maria Sun über die Weltpremiere letzten Mittwoch: «Eher eine Dekonstruktion. Allerdings wohlwollend.» Und Benjamin van Bebber betont, dass «Die Suche nach Wahrheit» immer noch das bestimmende Element gewesen sei.


Und was fällt heute sonst noch zwingend ein, im Zeitalter der Insta-Princesses und Shitstorms, angesichts dieses doch fast riskant wirkenden Terrains. «Ich hoffe, Charles kommt nicht!», sagt Jannik Giger, mehrfach preisgekrönter Jungkompomist und lacht. Ansonsten seien alle willkommen, schliesst Leo: «Wir sind für alle da.» Ob mit und ohne Adelstitel? Man darf also gespannt sein.


Queen of Hearts, Gare Du Nord. Vorstellungen: 21.10.,22.10.


«Queen of Hearts» (c) Bettina Matthiessen