• BASLERIN

EIN TAG IM DIENSTE DER SCHWEIZER TAFEL

Hinter den Kulissen mit Sandra Locher Dickinson, Präsidentin des Gönnervereins Regio Basel der Schweizer Tafel.


Sandra Locher Dickinson



In der Schweiz leben 735 000 Menschen oder 8,7 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Tendenz durch die Corona-Pandemie steigend. Dennoch landen jährlich etwa zwei Millionen Tonnen Lebensmittel im Abfall. Die Schweizer Tafel engagiert sich für bedürftige Menschen in der gesamten Schweiz und setzt ein Zeichen gegen die Verschwendung von Lebensmitteln. Die Präsidentin des Gönnervereins Regio Basel, Sandra Locher Dickinson, die für das Fundraising zuständig ist, zeigt uns, wie ein Tag bei der Schweizer Tafel in der Region Basel aussieht.

Morgenmeeting und Vorbereitung Um 8 Uhr treffen alle im Verteilerzentrum/Lager in Pratteln ein. Die Zivildienstleistenden und freiwilligen Helferinnen und Helfer werden in einem 20-minütigen Briefing durch den Regionenleiter Michele Hoststettler und Disponen- ten Martin Mettler auf den Tag vorbereitet. Nach einem heissen Kaffee geht es los. Wir rollen die bereits mit Lebensmitteln aufgefüllten Kisten zur Rampe. In denen befinden sich Joghurts, Pasteten, Brot, Getränke und vie- les mehr. Fünf Kühlwagen starten um 8.30 Uhr ihre Tour. Wir sind mit Sandra Locher Dickinson und einem der Zi- vildienstleistenden auf der Stadtroute eingeteilt, die quer von Pratteln nach Muttenz durchs Gundeli, Bachgraben, Allschwil und Münchenstein führt.



Erster Halt: Die Ware wird abgeholt Der erste Halt ist eine Coop-Verkaufsstelle. An der Anlieferungsrampe erwartet uns eine freundliche Mitarbeiterin. Neben ihr stehen bereits fünf Kisten mit Lebensmitteln, die wir an diesem Tag mitnehmen dürfen.Unsere Aufgabe ist es nun, die Kisten zu überprüfen, um festzustellen, ob wir gegebenenfalls etwas aussortieren müssen. Wir sind sichtlich erstaunt über den auf den ersten Blick einwandfreien Zustand der Wa- ren. Der Zivildienstleistende kann unseren Blick sofort deuten und erklärt, dass in der Schweiz die Qualitätsansprüche enorm hoch seien. Unsere Aufgabe ist nun, die gesamte Ware auf ihr Haltbarkeitsdatum zu kontrol- lieren. Dies betrifft sämtliche verpackte Lebensmittel. Bei Obst und Gemüse erfolgt es durch Sichtkontrolle. Sobald wir dies durchgeführt haben, laden wir die Kisten in das Kühlfahrzeug und weiter geht es zum nächsten Supermarkt. Das Abholen und Ausliefern der Ware ist eine präzise Organisation, denn das Auto hat nur eine gewisse Kapazität. Dies bedutet, dass die abgeholte Ware zuerst ausgehändigt werden muss, damit Kisten wieder frei werden, um diese dann wieder füllen zukönnen.

Zweiter Halt: Die Ware wird abgegeben Die erste Station auf der Tour ist die Organisation Soup&Chill, wo wir schon sehnsüchtig erwartet werden. Die Küchenbrigade wählt aus dem Angebot aus. Heute sind es 20 Kisten, davon überwiegend Obst und Gemüse. Während des Ausladens läuft eine Passantin vorbei, klopft Sandra Locher Dickinson auf die Schulter und sagt: «Das ist grossartig, was Sie hier machen!» Locher Dickinson ist sichtlich berührt von den strahlenden Augen und der Dankbarkeit, die uns entgegengebracht wird. Das Prozedere des Einsammelns und der Abgabe wiederholt sich mehrere Male an diesem Tag. Zu den Institutionen gehören unter anderem das Tageshaus für Obdachlose, Gassenküche, Frauenhäuser und Männer- wohnheime, Ausgabestellen von kirchlichen Organisationen sowie weitere soziale Institutionen. Auf der Rückfahrt nach Pratteln ins Lager sind alle erschöpft. Kein Wunder, bedenkt man, dass wir an diesem Tag rund 220 Kisten aus- und eingeladen haben. «Ich bin immer wieder betroffen von der Armut, die ich sehe, und gleichzeitig bin ich beeindruckt, was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer sowie die Zivildienstleistenden jeden Tag leisten. Tagtäglich stellen sie sich dem Kampf gegen Foodwaste und zur Linderung der Armut. Und die körperliche Anstrengung ist nicht zu unterschätzen», so Sandra Locher Dickinson.

Wie wird die Schweizer Tafel finanziert? Die Lagerbewirtschaftung, der Fahrzeugbetrieb sowie der Unterhalt der Infrastruktur kosten Geld. Als Non- Profit-Organisation ist die Schweizer Tafel zu hundert Prozent spendenfinanziert. Der Gönnerverein sammelt Geld für die Schweizer Tafel und finanziert somit einen wesentlichen Teil des monetären Gesamtbedarfes. Die wichtigste nationale Spendenaktion ist der Suppentag, der jeweils im November stattfindet. Es gibt aber viele weitere Möglichkeiten, wie man die Organisation unterstützen kann: mit einer Mitgliedschaft, einer Spende, einem Legat oder einem Anlass zugunsten der Schweizer Tafel.

Wann und wie ist die Schweizer Tafel entstanden? Die Schweizer Tafel wurde vor 20 Jahren von Yvonne Kurzmeyer in Bern gegründet. Heute werden jährlich über 4000 Tonnen Lebensmittel im Wert von rund 26 Millionen Franken sinnvoll weiterverwendet.


Essen – verteilen statt wegwerfen. Die Schweizer Tafel sammelt schweizweit bei Produzenten, Grossverteilern und Detaillisten täglich 16 Tonnen überschüssiges aber einwandfreie Lebensmittel ein. Sie verteilt diese kostenlos an soziale Institutionen wie beispielsweise Obdachlosenheime, Gassenküchen, Notunterkünfte und andere Hilfswerke. Jährlich werden so über 4000 Tonnen Lebensmittel im Wert von rund 26 Mio Franken sinnvoll weiterverwendet.



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