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ALLES ANDERE ALS AUFGEDRÄNGT

Ariane Koch hat mit ihrem fantastischen Debütroman «Die Aufdrängung» im gesamten deutschsprachigen Raum den Durchbruch geschafft.



Von Tara Hill


Theater, Kunst, Literatur – Ariane Kochs Interessen sind so vielgestaltig wie die Kulturstadt Basel, welche die Nach- wuchskünstlerin hervorgebracht hat. Zunächst als Theater- und Performancekünstlerin bekannt geworden, blickt Ariane Koch mit 33 bereits auf eine steile Karriere zurück – zu der nun auch zwei internationale Preise gehören.

«Die Aufdrängung», erschienen im Sommer 2021 im renommierten Suhrkamp Verlag, erzählt die Geschichte einer Frau, welche in einer viel zu kleinen Stadt in einem viel zu grossen Haus lebt und von Fernweh gepackt am Bahnhof herumstreunt. Dort begegnet ihr ein Fremder, der sie unwiderstehlich anzieht, bis sie ihn als Gast aufnimmt. Daraufhin entspinnt sich ein zunehmend surreal anmutender Reigen eines Machtspiels, bis die Protagonistin selber die Flucht ergreift und nun ihrerseits «Gästin» wird.

Bis ins deutsche Fernsehen hat die junge Baslerin es mit dem faszinierend eigensinnigen Debüt geschafft. Ihr Lieblingsmoment? Der Auftritt, als ihr der Aspekte-Literaturpreis verliehen wurde. Das Echo darauf war gross. In Guarda, Engadin, bei blitzblauem Himmel und Pulverschnee, erholt sie sich gerade vier Wochen lang von ihrem bisher erfolgreichsten Jahr. «Ich bin überrascht, wie gut es gelaufen ist», bilanziert die junge Baslerin. Corona habe sie bezüglich der Nachfrage ihrer Arbeit kaum gespürt.

Dementsprechend motiviert arbeitet das Talent an ihrem zweiten Roman. Wovon genau der Nachfolger handelt, will Ariane Koch noch nicht verraten. Nur so viel: Es geht um Spalten und eine Frau, welche dafür ein Forschungsinteresse entwickelt. Welche Spalten – Gletscher? Zeitung? Haare? «Vielleicht auch gesellschaftliche Spaltungen wie den Brexit», kündigt Ariane Koch an. Denn vor kurzem hat sie dafür ein weiteres Stipendium erhalten, das ihr einen halbjährigen Aufenthalt in London ermöglicht.

Ebenso exotisch mutet auch das Thema ihres nächsten Theaterstücks an. Nach der hochgelobten Online-Inszenierung «Drei Neue Bunker» mit Moïra Gilliéron und Zino Wey, koproduziert mit der Kaserne Basel, geht es darin um die ferne Zukunft: In einigen Jahrtausenden besiedeln (wieder) Dinosaurier die Erde. Eine Gruppe vegetiert in Unsterblichkeit, bis ein unbekanntes Wesen auftaucht. Rosmarie, die sich in das Wesen verliebt, trampelt es unabsichtlich tot. Man stopft das Wesen aus, animiert es und baut ihm ein Museum. Das klingt noch skurriler als der Plot von «Die Aufdrängung» – und die Erwartungen dürfen durchaus hoch geschraubt werden, erhielt das Stück «Die toten Freunde (Dinosauriermonologe)», das im Dezember 2022 in der deutschen Pfalz Premiere feiert, doch soeben den Else-Lasker-Schüler-Stückepreis.


Im Buch mag die Protagonistin kein Sofa. Im Unterschied zu Ariane Koch, die selber durchaus gerne im Liegen, mit halb hoch gelagerten Füssen, ihre Texte tippt.

Wer also während der mitreissenden Lektüre ihres Erstlings kaum vom Sofa hochkam, erhält nun das Basler «Fräulein Wunder» Ariane Koch nochmals live zu erleben – am 27. März nimmt sie für ihre vorerst letzte Lesung hier in der Region für die Reihe «Sofalesungen» in Basel Platz. Hingehen!


Weitere Informationen:

https://sofalesungen.ch/de/programm/archiv/2021-q4/ariane-koch-basel

https://www.arianekoch.ch/